ELISABETH KRAMPE, DEUTSCHLAND

"papier - faltung - schmuck"

 

Ausstellung in der MUWA-Galerie im ersten Stock: 12.11.2016-05.03.2017

 

 


Ausstellungsbericht in der KRONENZEITUNG vom 21.11.2016 von MICHAELA REICHART

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

KATRIN BUCHER TRANTOW, stv. Leiterin und Chefkuratorin am Kunsthaus Graz führte im Rahmen der Eröffnung am 11. November 2016 mit der Künstlerin ein Gespräch

 

Ausstellung in der MUWA-Galerie im ersten Stock: 12.11.2016-05.03.2017

 

 

ELISABETH KRAMPE
"papier - faltung - schmuck"

In dieser einzigartigen Zusammenstellung zeigt die Nürnberger Künstlerin ELISABETH KRAMPE in der Galerie im Halbstock des Museums der Wahrnehmung MUWA ihren Weg der vergangenen dreißig Jahre durch die konstruktive und konkrete Kunst, ihre Selbstbehauptung und ihr Bekenntnis zu einer Poesie, die in vielfältiger Weise den Ausdruck ihres Halsschmuckes prägen. Zu ihrem poetischen Zugang und zu ELISABETH KRAMPES kühnen Faltungen aus Ölpapier, aus Wachs-, Foto- und Seidenpapier in jeweils mindestens eintausendfünfhundert Papierschnitten meinte Marlene Jochem im Katalog des Theodor-Zink-Museums Kaiserslautern: „Zarte Papiermembrane verschleifen zu schmiegsamen, weichen Gebilden; [...] Die Wiederholung wird scheinbar ins Unendliche gesteigert, wenn sich Formen zum Rund verbinden ohne Anfang und ohne Ende.“

Tatsächlich gleicht keine der Arbeiten ELISABETH KRAMPES einem anderen Stück ihrer Sammlung: Jedes Mal legt das Rund der samtweichen bis spröde anmutenden Körper sich organisch um den Hals ihrer Trägerinnen, wölbt sich in Folge der Faltungen eine Negativform und zeigt bis dahin versteckt scheinende Spuren und Eingriffe in seiner Form. Es zeigt sich ein Schlitz, eine kaum merkbare Färbung des schwarzen Papier-Colliers in kräftigem Rot, zwischen mattem Schwarz schimmert der Glanz eines griffigen, harten Fotopapiers aufblitzend wie das Licht auf der Wasseroberfläche des Meeres. Manches erinnert an einen japanischen Schrein, die verborgene Schrift aus einem alten Buch leuchtet auf und die Frage, ob die Erinnerung an bunte Atlanten täuscht, bleibt unbeantwortet.

Es ist augenscheinlich, dass ELISABETH KRAMPE, 1953 in Münster geboren, sich in der Ausstellung im MUWA ausschließlich den Variationen ihres Halsschmuckes aus Papier und nur aus Papier widmet. Auch wenn Faltungen aus Edelmetall manch anderem wertvoller erscheinen mögen, auch wenn ELISABETH KRAMPE abertausende Papierstücke in wechselnden Formen mit der Schere ausschneidet, faltet und zu neuen Körpern formt, macht sie bewusst, dass ihre Arbeit, so aufwändig sie auch sein mag, hinter der Anmut ihrer Trägerinnen zurücktritt.

Auch wenn sie über die notwendigen Kenntnisse verfügt, auch wenn Faltungen aus Edelmetall manch anderen wertvoller erscheinen mögen, ELISABETH KRAMPES Kunst ist eine tragbare Kunst.

Werner Wolf


ELISABETH KRAMPE
"paper - folding - jewellery"

ELISABETH KRAMPE, artist from Nuremburg, shows in this singular compilation in the gallery upstairs of the Museum of Perception MUWA her development of the past thirty years through constructive and concrete art, her competing and her commitment to a poetry which characterize the expression of her jewellery for the neck in a manifold manner. Marlene Jochem remarked in the catalogue of the Theodor-Zink-Museum Kaiserlautern regarding the poetic approach of ELISABETH KRAMPE and her audacious foldings of oil-, wax-, photografic- and tissue-paper of at least one thousand five hundred paper cuttings: "Delicate paper membranes scatter to pliant, soft structures; [...] The repetition seems to be increased to infinity when shapes get connected to the circular form without beginning without end.


In fact none of the works of ELISABETH KRAMPE is similar to another piece of her collection: Every time the circular form of the bodies appearing from soft to rough is twisted organically around the neck of the person wearing it, bends as a result of the foldings to a negative shape and shows former hidden traces and interventions in his shape. A slot appears, a coloration hardly appreciable of intensive red on the black paper necklace, the gloss of stable, firm photografic paper shimmers between dull finished black flashing like the light on the surface of the sea. Some things remind of a japanese shrine, the hidden scripture of an old book illuminates and the question if the reminiscence of coloured atlases bluffs remains without reply.


It is obvious that ELISABETH KRAMPE, born in 1953 in Münster, concentrates in the exhibition in the MUWA exclusively on the variations of her neck jewellery of paper, merely out of paper. Even if somebody may think about foldings of precious metal appearing more valuable, and even if ELISABETH KRAMPE is cutting out with scissors thousands of paper pieces in different shapes, folding and transforming them to new structures, she makes aware that her work, in spite of the labour input, comes second behind the grace of individuals wearing them.


Despite the required knowledge she possesses and even if foldings out of precious metal seem more valuable to somebody else, the art of ELISABETH KRAMPE is wearable art.

Werner Wolf


ELISABETH KRAMPE, geboren 1953 in Münster, Deutschland. Von 1982 bis 1988 Studium an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, Meisterschülerin bei Professor Hößle. Seit 1988 freischaffend tätig in Nürnberg. 1989 Lehrauftrag für Schmuckgestaltung an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Seit 1987 zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden, der Slowakei und Korea. Auszeichnungen und Preise: 1989 Debütantenpreis des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, 1999 Silver Prize bei der Chongju International Crafts Biennale Seoul/Korea, 2000 Grassipreis der Sparkasse Leipzig, 2001 Niggemann Preis Hamburg, 2009 Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten, 2012 Erster Preis 16. Zeughausmesse Berlin. Arbeiten der Künstlerin befinden sich in folgenden Sammlungen: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Grassi-Museum Leipzig, Lotte Reimers Stiftung Deidesheim, Schmucksammlung Haut-de Cagnes sur Mer, Frankreich.


KATRIN BUCHER TRANTOW arbeitet seit 2003 als Kuratorin, seit 2012 auch als stellvertretende Leitung und Chefkuratorin am Kunsthaus Graz. Geboren 1971 in St. Gallen/CH. Lebt und arbeitet in Graz. Studium der Kunstgeschichte und Geschichte an der Universität Basel. 2001-2003 war sie Kuratorische Assistenz an der Kunsthalle Basel.
Auswahl kuratierter Ausstellungen: Alina Szapozcnikow, Kateřina Vincourová and Camille Henrot, Constantin Luser, Landschaft in Bewegung, Katharina Grosse, Berlinde de Bruyckere; Cittadellarte, Teilen und Verändern; Michael Kienzer; Vermessung der Welt, Heterotopien und Wissensräume in der Kunst; Roboterträume (mit dem Museum Jean Tinguely, Basel); Leben? Biomorphe Formen in der Skulptur; Albert Oehlen; M Stadt, Europäische Stadtlandschaften; Sol LeWitt; Verschiendene Beiträge in Katalogen und anderen Publikationen wie Camera Austria International, Domus und Parnass.