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SCHÜLER VERSTEHEN DIE SPRACHE

TONY CRAGG / SYNTHESE

JOSEF SCHULZ / HALLEN

OPEN MUSIC PRESENTS: BOZZINI Quartett im MUWA

KAIROS QUARTETT

KOOPERATIONEN MIT GEHIRN

MANFRED MAKRA: "Partituren der Stille"

GERHARD MAYER: "Tohus und Wohus"

RITA ERNST / Progetto Siciliano

FERDINAND GÖTZ

TONY CRAGG im Rahmen der langen nacht der museen

Jeden Montag gratis!



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FERDINAND GÖTZ
Eröffnung: 26. Mai, 19.30 Uhr
zur Einführung spricht Dr. Eleonora Louis, Museum der Moderne Salzburg





"wie das leben so spielt"

es ist die in bildern knapp geschilderte geschichte der schwestern rosi und susi und ihren ehemännern fred und tom, die in einem grauenvollen verbrechen mündet.

grauenvoll? knapp erzählt? ein comic im großformat?

was der in bad ischl im küchentrakt der kaiservilla wohnende und arbeitende maler und "family sculptor" (so sieht ihn der direktor des oberösterreichischen landesmuseums, mag. dr. peter assmann) in scheinbarer gleichmut seinen zusehern vormalt, ist eine dichte erzählung, eine überaus verkürzte darstellung einander widersprechemnder elemente zweier leben, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

im museum der wahrnehmung MUWA begegnet der besucher einer verwirrung der bilder, einem merkwürdigen kipp-effekt, der "fred, lonely at sea" freundlich einen cocktail schlürfend, in einem boot sitzend zeigt, einen kirschkern zwischen den lippen. wohin fährt das boot mit ihm, es hat keine ruder und keine steuerung? bleiben wir unbesorgt, ahnend, was uns bevorsteht?

es mag wohl so sein. im begleitheft erzählt ferdinand götz seine version der merkwürdig verrätselten geschichte; er verrät sie in einer sprache, die offen lässt, auf welche weise schließlich wer ums Leben kommt – oder auch nicht.

denn die geschichte hat trotz vieler details, die für ein gewalttätiges ende sprechen würden, auch alle ansätze eines ausganges, der ein gewaltiges verwirrspiel ist, ein drama der bilder ohne dramatischen einfluss auf die menschen. dieser text ist zugleich ein vollkommen illustriertes werkzeug der erinnerung und der vorstellung des vermeintlichen geschehens. ferdinand götz ist ein fulminanter erzähler.


werner wolf


FERDINAND GÖTZ. das seit etwa fünfzehn jahren betriebene projekt
"CONSTRUCTING A HOUSE" zeigt in mittlerweile unzähligen bildern, installationen, skulpturen, tisch, bett, spiegel, ein- und ausgängen, eine behausungswelt, in der ein gegenmodell konstruiert wird. die behausung, dieses geschlossene sicherheitssystem, wird ad absudum geführt. 1955 in strobl geboren ist ferdinand götz in mehreren landesgalerien vertreten gewesen, zuletzt im salzburger traklhaus.

DR. ELEONORA LOUIS. studium der kunstgeschichte und italienisch, universität salzburg. seit 1990 lehraufträge an der universität für künstlerische und industrielle gestaltung in linz, der universität salzburg und am mozarteum salzburg. 1992 bis 1996 kuratorin an der kunsthalle wien. 1994 tätigkeit am DIA center for the arts, new york. 2002-2003 kuratorin an der albertina wien. zur zeit kuratorin und sammlungsleiterin am museum der moderne salzburg. daneben bis 2003 mitglied des vorstands des österreichischen kunsthistorikerverbandes. schwerpunkte: 18. - 21. jahrhundert; u.a. geschichte der beziehung von physik und kunst am beispiel der schwerkraft.



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Eröffnung der Ausstellung Ferdinand Götz
Freitag, 26.5.2005
19.30 Uhr

Guten Abend. Sie erlauben mir ein paar Worte zur Eröffung voranzuschicken, nicht aber, ohne Sie zuvor begrüßt zu haben. Ich heiße deshalb Frau Dr. Eleonora Louis sehr herzlich willkommen; sie ist Kuratorin am Salzburger Museum der Moderne und hat die Aufgabe übernommen, für Sie die Eröffnung der Ausstellung vorzunehmen.

Zum zweiten, und eigentlich als ersten, begrüße ich Ferdinand Götz, den ausstellenden Künstler, der Ihnen heute abend unter dem Titel "wie das Leben so spielt" eine höchst zwiespältige Geschichte erzählt. Doch darüber später mehr.

Die Salzburger Landesregierung veranstaltet am 8. Juni die Ausstellung "DER SCHUH IN DER KUNST" die – von Spoerry bis Schmalix – sehr prominent besetzt ist und zu der der Maler Christian Luwig Attersee Klavier spielt und Ferdinanz Götz Texte über das Gehen lesen wird.

Aber: Es ist ein bißchen zu wenig, was man über Ferdinand Götz zu sagen hat, wenn man bloß den Maler – wie wir es tun – oder Ferdiand Götz den Literaten hervorstreicht, so wie es das Salzburger Traklhaus macht.

Man vergisst dabei einfach den Musikanten zu nennen, der mit einem gewaltige EU-Projekt eine viele Menschen beschäftigende Oper über "DIE INSEL DER VOGELMÄNNER" betreut: Schottland, Frankreich, Belgien, Deutschland und Österreich sind an diesem Projekt beteiligt und Ferdinand Götz hat die Auswahl des Spielortes übernommen.

Die Oper betriffte die Erzählung der Geschichte eines verschwundenen Volkes und einer verschwundenen Zivilisation. Die Erzählung handelt von der "Republik von Sankt Kilda", einer kleinen Gruppe im nördlichen Atlantik verlorener, schottischer Inseln.

Die Dramaturgie des Librettos stützt sich im wesentlichen auf die Erzählungen und Anekdoten der mündlichen Überlieferung der Sankt Kildaner, die sich, ähnlich wie in einer Fabel, um eine lineare Erzählung gruppieren.

Sie kannten weder Bäume, noch den Krieg, noch die Schrift, den Spiegel oder das Geld. Das Personalpronomen "Ich" war ihnen unbekannt. Es gab kein Ego, sondern nur "Wir´: Sie waren als Gruppe eine Einheit und das Individuum war mit dem Kollektiv verschmolzen. Ihre Religion stammte zweifelsohne von den Ursprüngen des Christentums und beinhaltete Teile der nordischen Mythologie (zum Beispiel den Mythos der nordischen Amazone).

Man nannte die Sankt-Kildaner die "Vogelmänner": Von 30 Meter hohen Felsen eingekreist und 200 Tage im Jahr den Stürmen ausgesetzt, deren Winde mit über 200 km/h in alle Richtungen über den Archipel wehen, ist die schottische Inselgruppe Sankt Kilda das "Ende vom Ende der Welt". Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ist sie von jedem Kontakt mit der Zivilisation isoliert.

Die Inselgruppe liegt verloren, einige 160 Kilometer nord-östlich von Schottland, 70 Kilometer von den äußeren Hebrideninseln entfernt und besteht aus vier Inseln .

Dort befindet sich eine grob in die Felsen geschlagene kleine Bucht, wo nur hundert Tage im Jahr und ausschließlich im Sommer Boote anlanden können, wenn die starken Winde sich ein wenig gelegt haben. Vorsicht jedoch vor den Sonnenwendströmungen, die oft schon vorzeitig und sehr plötzlich den Navigationsplänen in den Weg kommen.

Ihre Zeit richtete sich nach ihrem Vogelkalender: Der 12. August war zum Beispiel der Tag der "Ernte" des Eissturmvogel, ein "sehr nützlicher Vogel", da das Öl ihnen Licht für ihre Lampen verschaffte, das Fleisch sie ernährte und die Federn ein wertvolles Tauschgeld in ihren seltenen Handelsbeziehungen mit den Schotten waren.

Ihre Hauptbeschäftigung bestand darin, die Nester in den steilen Felsen ausfindig zu machen, um sich so, durch die Eierernte, ihr Hauptnahrungsmittel zu sichern. Sie kletterten immer gruppenweise und bei allen Frostgraden barfuss. Aneinander angeseilt kämpften sie gegen die furchtbaren Windböen und hielten zusammen - oft bis in den Tod. Ihr Vertrauen in den anderen war die Grundlage für ihre Beziehungen, die Voraussetzung für ihr Überleben.

Behalten Sie im Gedächtnis, auf welche Weise die Personen der Oper in Ihr Bewusstsein treten, und wie sehr diese Geschichte dem Comic der vor Ort erzählten Begegnungen eigentlich ähnlich ist.


w.w.