FELICITAS GERSTNER: SOMETIMES I AM YOU
Eröffnung: Freitag, dem 26. September 2008, 19.30 Uhr
Zur Einführung spricht Wilhelm Christoph Warning, als Journalist, Publizist, Essayist und Kunst- und Architekturkritiker für die ARD im Bereich Hörfunk tätig; insbesondere für den Bayrischen Rundfunk. Ausstellung: Samstag, 27. September bis Samstag, 21. Februar 2009 täglich von 14.00 bis 18.00 Uhr, außer Dienstag
Felicitas Gerstner: "Sometimes I am you"
Wenn man es genau nimmt, dann malt Felicitas Gerstner eigentlich keine Bilder, sondern sie baut Raumstrukturen und Raumgitter aus verschiedenfarbigen Einzelteilen auf. Wie ein Minimal-Künstler - so die Kataloautorin Birgit Sonna - "denkbar langwierig und handwerklich gestaltet sich ihre Methode: mit Klebestreifen grenzt Felicitas Gerstner die Konturen von oft nur ein oder zwei Finger breiten Farbbändern ab, bemalt die nicht abgedeckten Flächen mit eingefärbtem Wachs" und fügt in diesen sich wiederholenden Schritten immer neue Sequenzen koloristisch alternierender Farbfelder aneinander."
In der traditionellen Technik der Enkaustik, Farbpigmente, die in flüssigem Wachs gebunden sind, arbeitet Felicitas Gerstner seit vielen Jahren. die Wachsmalerei behält selbst über lange Zeiten hinweg die glänzende leuchtkraft ihrer Farben und Gerstner bevorzugt die Enkaustik nicht nur wegen ihrer plastischen Materialität, sondern auch, weil sie an der Ölmalerei der lansame Trocknungsprozess irritiert. Auch der Prozess des Übermalens, der Korrektur ist in der von Gerstner gewählten Form ausgeschlossen. Deshalb auch die genauen Skizzen, die den einzelnen Arbeiten zugrunde liegen.
So entstehen Felicitas Gerstners oft überlange, aus mehreren Einzelteilen zusammengesetzte, übervoll farbige, sich verschlingende Bandmotive und die Szenen einer unverkennbaren Welt, die nicht die unsere ist: es ist die Illusion von einer abgeklärten, geordneten Welt, die ihr Echo in einer idealen Architektur jenseits des bunten, vollen, in seltsamer Abgeklärtheit findet.
Was Gerstner in mühsamer Arbeit aneinanderfügt, die kleinen, farbigen Räume, sind in einer anderen Sicht, umschlossene Räume, Unfreiheiten, die in fröhlichem Tanzschritt und einer manchmal strengen Choreografie einer überaus genau angefertigten Ideenskizze folgen. Es ergeben sich daraus Raumgitter im vielfältigen Verbindungen, Bildtafeln, nicht festgelegte, unscharfe Bildmotive, die wiederum entgegengesetzte Interpretationen auf den plan rufen. Felicitas Gerstner setzt auf ihre Weise die Neigungen gegenüber Malewitsch, aber auch zu Bridget Riley und bis zu Gerhard Richters Kölner Glasbildern in einer besonderen Weise fort: Sie setzt auf den Blickwechsel, wie ihn Hans Belting in seinem 2008 erschienenen Buch "Florenz und Bagdad" beschreibt und den arabischen Mathematiker Alhazen als Zeugen für eine dreihundert Jahre vor der Renaissance entstandene Theorie nennt. "Wir sehen auf den sichtbaren Dingen mit unseren Augen nur Licht und Farbe. Alle ihre anderen Eigenschaften erkennen wir nur durch den Rückschluss (&) alle sichtbaren Dinge unterliegen in einer Welt des Werdens und des Vergehens dem Wandel, der auch unsere Wahrnehmung prägt, und deshalb sehen wir kein Ding genau so, wenn wir es zum zweiten Mal sehen."
FELICITAS GERSTNER, (BRD) 1959 geboren in Ottweiler/Saar; 1978-1983 Studium der Kunstgeschichte und Kunsterziehung in Mainz;1980 Förderpreis der Stadt Salzburg, 1981-1987 Studium an der staatlichen Hochschule für bildende Künste, Städel, Frankfurt/M bei Prof. Michael Croissant; 1991 Debütantenförderung des bayerischen Staates; 1996 USA-Stipendium des bayerischen Staates für New York; 1999 Förderung durch die Prinzregent-Luitpold-Stiftung. 2001 Paris-Stipendium des bayerischen Staates, Cité Internationale des Arts, Paris; lebt in München.
WILHELM CHRISTOPH WARNING, geboren 1948 in München. Studium in München und Genf: Jura, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften. Seit 1978 als Journalist, Publizist, Essayist und Kunst- und Architekturkritiker für die ARD im Bereich Hörfunk tätig, insbesondere für den bayerischen Rundfunk. Autor in "Künstler - Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst". Zahlreiche Reden, Ausstellungseröffnungen und Beiträge in Katalogen, einige Jahre Lehrauftrag an der Akademie der bildenden Künste in München.
MARI KIYOFUJI, Piano; geboren in Kumamoto / Japan; Absolventin der Musashino Musikhochschule in Tokio bei Prof. Tokyoko Funibishi; studierte anschliessend Klavier an der Universität für Musik und darstellende Kunst bei o. Univ. Professor Alexandr Satz; 1. Diplomprüfung mit Auszeichnung, Verleihung des Bösendorfer Stipendiums, Abschluss des Klavierkonzert Fachstudiums 2004. Abschluss-Arbeit über Alexandr Nikolajwitsch Skrjabin.
Eine Woche nach der Eröffnung sehen sie im Micro.Kino ein Video mit der Eröffnungsrede von WILHELM CHRISTOPH WARNING zur Ausstellung FELICITAS GERSTNER. Auf Wunsch können sie auch noch die Aufzeichnung der Eröffnung der Ausstellung sehen. Infos auch über das Internet www.muwa.at
Sie erhalten zwei Wochen nach der Eröffnung ein Exemplar des zu diesem Folder gehörenden Begleitheftes gratis zu ihrer Eintrittskarte oder für Euro 3,5o. Nach dem Ende der Ausstellung können sie Begleithefte nach Verfügbarkeit im Rahmen von Workshops beziehen.
Eröffnung: Freitag, dem 26. September 2008, 19.30 Uhr
zur Einführung spricht WILHELM CHRSTOPH WARNING, als Journalist, Publizist, Essayist und Kunst- und Architekturkritiker für die ARD im Bereich Hörfunk tätig, insbesondere für den bayerischen Rundfunk.
MARI KIYOFUJI, Piano; erste Diplomprüfung mit Auszeichnung, Verleihung des Bösendorfer Stipendiums.
Ausstellung: Samstag, 27. September bis Sonntag, 7. Dezember 2008; täglich von 14.00 bis 18.30 Uhr, außen Dienstag
Fordern sie das kostenlose Begleitheft zu ihrem Ticket beim Besuch des Museums der Wahrnehmung an!
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