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KUNST AKTIONEN 2011 BIS 2014
Die Vorhaben im Detail
Kunst -Installationen im Museum der Wahrnehmung MUWA 2011 - 2014
DIETER BALZER, BERLIN (September 2011 bis Februar 2012)
Von Dieter Balzers Werken ließen sich Kopien herstellen, die von Originalen seiner eigenen Hand nicht zu unterscheiden wären. Deshalb ist anzunehmen, er habe seine Arbeit so angelegt, als käme es auf Unikate nicht an. Für diese Abwertung des Unikats zugunsten einer möglichen Repetition spricht auch seine Neigung zu Theorien radikaler Konstruktion aus deren Perspektive sich die Formation der Objekte erklären und ihr Zusammenhang heuristisch fassen ließen. Doch die Augen lassen sich leicht verführen und öffnen den Blick auf Wege in eine andere Wahrnehmungswelt.
Das konstruktive Verfahren, auf das sich Balzer bezieht, gehört zu der Vielzahl künstlerischer Methoden des 20. Jahrhunderts, die darauf angelegt sind, Individualität auszuschalten oder sie zu entgrenzen, um das Sichtbare möglichst rein zur Geltung zu bringen, ohne es von subjektiven Einwirkungen deformieren zu lassen. Das Subjektive gilt diesen Künstlern als zweifelhaft und verwirrend. Deshalb sollte es übergangen, unterdrückt oder aufgelöst werden. Um einen direkten und klaren Blick auf die Sache, das Objekt, die Idee zu ermöglichen - wie auf mathematische Flächeneinheiten (z. B. Diagramme, logisch konstruierte Systeme) oder auf mathematisch geordnete Anschauungsmodelle (z.B. architektonische Konstruktionszeichnungen). Der hohe Reiz, der von den mathematisch orientierten Methoden bei gleichzeitiger Unterdrückung künstlerischen Subjektivität ausgeht, liegt darin, dass ziemlich perfekte und für das Auge kaum noch steigerbare Ausführungen möglich sind. (Peter Herbstreuth).
MELITTA MOSCHIK GEN-EXPRESSION
Melitta Moschik, Graz, Wien, Klagenfurt, im März
Die Künstlerin Melitta Moschik nimmt in ihrer aktuellen Arbeit REALITY SHAPES in der Ausstellung im Klagenfurter MMKK, dem Museum Moderner Kunst Kärnten, der Lokalisierung von Schrift, Zeichen und Plastik Bezug auf diese zum Teil neuen Realitätsaspekte und Moschik bietet dem/der BesucherIn Regeln der Interpretation von Wirklichkeit an, die im Zusammenhang von Kunst wahrgenommen werden können.
Besonders fixiert Melitta Moschik dabei Spielarten eines GENOME IMAGING mit der Visualisierung aktueller genetischer Expressionsdaten in Farbe und in Schwarzweiß. Moschik bezeichnet Gen-Expressions-Muster in der Biotechnologie als zur Darstellung der Aktivität von Genen geeignet und in ihrer spezifischen Struktur und farbigen Codierung als signifikantes Abbild genetischer Information lesbar. Die Gen-Expressions-Daten erlauben es, die Funktionsweise lebender Zellen zu analysieren, gesundes und krankes Gewebe zu vergleichen, um die Ursachen von Krankheiten festzustellen.
Aber was macht ein/e NichtmedizinerIn, ein von der Genforschung unbelasteter Zeitgenosse mit solcherart geometrisch erscheinenden intelligenten Oberflächen, wenn ihm oder ihr die formale Logik und ihre ästhetische Qualität zur Zeit nicht habhaft sind? Was löst beim Betrachter der Mangel an auf microarray basierenden Analysen aus, wenn er einsieht, dass er glauben muss statt zu wissen? Was, wenn ein gutes Kunstwerk plötzlich auch Sinn macht, oder wenn plötzlich Grauwerte stärker werden als bunte Farben und Kunst hinter der medizinischen Anwendung verschwindet? Ist Kunst auch eine Frage von Größe? Ist sie wirksam, wenn sie besonders aus der Reihe tanzt, wenn sie gigantomanisch ist, oder wenn sie ganz klein wird, wie bei Melitta Moschik?
Die Frage von Kunst und ihrer Lesbarkeit ist seit dem Mittelalter Thema von Auseinandersetzungen und sie ist heute weniger als je zuvor gelöst. In Gesellschaften, die zwar mit Worten, mit Geschichte und mit Geschichten korrespondieren konnten, nicht aber mit geschriebenen Worten, spielten Bilder eine dominierende Rolle. Jetzt verlieren diese Bilder ihren Bezug zur Realität, ihre Falschheit wird im Foto, im manipulierten Computerbild, im Film deutlich. Erfindungen werden in Bildern nötig und nicht Entdeckungen, die längst schon gemacht worden sind. Melitta Moschniks Arbeiten zeigen in streng geometrischer Form Kommunikationsstrategien auf, die vor zwanzig Jahren kein Mensch für möglich gehalten hat, niemand als notwenig erachtet hat und die wichtig für unser aller Leben geworden sind.
REALITY SHAPES ist nach der Ausstellung im Museum Moderner Kunst Kärnten MMKK im Museum der Wahrnehmung MUWA in Graz bis Ende März 2012 mit einem Schwerpunkt GEN-EXPRESSION zu sehen.
WERNER WOLF: 1946 in Graz geboren, seit 1969 Redakteur bei der Neuen Zeit, Kulturjournalist, Mitbegründer zweier Privatschulen (Volksschule, AHS), 1985 bis 1988 Ausbildung in gestalttheoretischer Psychotherapie, 1990 Begründung des Museums der Wahrnehmung MUWA und dessen Leiter, Gastprofessor für Medienpädagogik in Linz, Bundesvorsitzender der IG-Kultur, 2001 Goldenes Ehrenzeichen des Landes, 2008 Landeskulturpreis, zahlreiche Auszeichnung u.a. des Kulturministeriums.
HASSO v. HENNINGES, NÜRNBERG (April 2012 bis August 2012)
HASSO v. HENNINGES: DAS EINE UND DAS ANDERE, BEIDES. Der Titel der Publikation verklammert zwei gemeinsam entwickelte Ausstellungen mit Werken von Hasso von Henninges im Stadtmuseum Fembohaus Nürnberg und im Kunstmuseum Bayreuth. Das Stadtmuseum Fembohaus Nürnberg zeigte vom 3. Februar bis 19. März 2006 ausgewählte Arbeiten des Künstlers zum Thema schwarzweiß+rot" und das Kunstmuseum Bayreuth widmete sich vom 12. Februar bis 19. März 2006 dem Themenkomplex ockerbraunrotblau". Als nächstes zeigt jetzt das Grazer Museum der Wahrnehmung MUWA Teile dieser beiden Ausstellungen.
Für das Stadtmuseum Fembohaus war dieses Projekt eine Premiere. Erstmals wurde ein Künstler vorgestellt, dessen Werke der Konkreten Kunst zuzuordnen sind. Das eine und das andere. Beides." - Das sind zu allererst zwei verschiedene Werkkomplexe, die von Hasso von Henninges über mehrere Jahre unabhängig voneinander entwickelt wurden und die lange Zeit nebeneinander herliefen. Die eine Werkreihe befasst sich überwiegend mit den Farben von Erden; der andere Themenbereich konzentrierte sich lange Zeit auf die Farben schwarz und weiß und wurde erst vor kurzem um die Farbe Rot zur Trias schwarzweiß + rot" ergänzt. Beide Themen sind dem Künstler gleichermaßen wichtig.
Hasso v. Henninges. 1943 in Berlin geboren. 1972 Examen zum Diplom-Volkswirt Universität Köln; langjährige Tätigkeit als Sozialwissenschafter; 1979 Promotion zum Doktor der Philosophie; seit 1989 freischaffender Künstler; 2000 Mitglied der Neuen Münchner Künstlergenossenschaft.
CLARA OPPEL, Graz - KLANGSKULPTUR "NOUS" (30. Juni bis 20. Juli 2012)
Clara Oppel hat Tonaufnahmen von Erzählungen verschiedenster Menschen mit Geräuschen aus der Umgebung gefärbt und nach auditiver Analyse in einen kaum noch hörbaren Bereich zerlegt. Weg vom rationalen Verstehen werden Sprachfragmente in Klang transformiert und brechen durch die kompositorisch angelegten Bewegungen von Lautsprecher zu Lautsprecher in den Raum hinein. Wiederholungen, Verschachtelungen und Zeitverschiebungen stehen als Metapher für die nie fassbare Komplexität eines Lebens.
Clara Oppel, geboren in Bayern, lebt und arbeitet in Graz, hat Objektbildhauerei an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Bruno Gironcoli und Medienkunst an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe studiert und war Meisterschülerin bei Diet Sayler. Parallel zu zahlreichen Stipendien folgten Ausstellungen in Österreich, Deutschland, Italien, Großbritannien, Mexiko und Venezuela.
Die Ausstellung CLARA OPPEL KLANGSKULPTUR "NOUS" wird am Freitag, 29. Juni 2012 um 19.30 Uhr eröffnet!
JENS VELLING-SCHÜRMANN RAUM MAL ZEIT
14.9.2012 bis Februar 2013
Personalausstellung von Fotografien, die mit einer Spezialkamera fertig gestellt wurden. Jens Velling-Schürmann schafft eine Möglichkeit, Ereignisse aufzuzeichnen und die Darstellung der Bewegung auf einen Blick im Bild sichtbar zu machen. Es ist diese Ausstellung ein erstes Mal, dass Jens Velling-Schürmann in Österreich zu sehen ist. Seinen Apparat hat er zur Ausstellung mitgebracht.
MANFRED MOHR. NEW YORK (ab März 2013)
Mohr begann seine Karriere als "Action"-Maler und Jazzmusiker. Schon 1969 setzte er den Computer ein, um seinem wachsenden künstlerischen Interesse an algorithmischer Kunst Rechnung zu tragen. Er lebte 1962 in Barcelona und zwischen 1963 und 1983 in Paris. Seit 1981 lebt und arbeitet er in New York. Seine ersten Computer-Zeichnungen waren aus seinen früheren Bildern und Zeichnungen abgeleitet und sehr stark musikalisch beeinflusst. Mohr besuchte die Kunst + Werkschule in Pforzheim und die École des Beaux-Arts in Paris. Er war 1968 Mitbegründer des Seminars Kunst und Informatik an der Universität Vincennes in Paris und hatte im ARC Musée dArt Moderne de la Ville de Paris, 1971 die historisch wichtige und weltweit erste Einzelausstellung in einem Museum mit Arbeiten die vollständig von einem Computer berechnet und hergestellt waren.
Einzelausstellungen seiner Arbeiten wurden im [DAM]Berlin (Digital Art Museum), im Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt, im Museum Kulturspeicher in Würzburg, in der Galerie Wack, Kaiserslautern, in der Galerie Mueller-Roth, Stuttgart und der Galerie bitforms in New York gezeigt. Wichtige Retrospektiven seiner Arbeit waren in der Kunsthalle Bremen 2007, Quadrat Bottrop Joseph Albers Museum im Jahr 1998 und im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen 1987 zu sehen.
Mohrs Arbeiten befinden sich in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen wie z. B. im Centre Pompidou in Paris, im Joseph Albers Museum im Quadrat Bottrop, dem Museum Ludwig in Köln, dem Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt, im Kunstmuseum Stuttgart, im Musée dArt Contemporain und im Musée des Beaux-Art in Montreal, dem Stedelijk Museum in Amsterdam und vielen anderen Museen weltweit.
Mohr erhielt zahlreiche Preise, darunter 2006 den d.velop digital art award [ddaa] des Digital Art Museum [DAM], Berlin, ein Stipendium der New York Foundation of the Arts in 1997, die Goldene Nica der Ars Electronica 1990 in Linz . (WP)
WALTRAUT COOPER, WIEN / GMUNDEN (ab September 2013)
Waltraut Cooper, 1937 in Linz geboren, studierte zunächst Mathematik und theoretische Physik an der Universität Wien und später an der Pariser Sorbonne. Nach Lehrtätigkeiten in Linz und an der University of California begann Cooper eine künstlerische Laufbahn und studierte Malerei und Grafik in Lissabon und Frankfurt.
Die zweimalige Biennale-Venedig-Teilnehmerin (1986 und 1995) zeigte Arbeiten zum Thema Kunst und Wissenschaft bei Festivals und Ausstellungen in bedeutenden Museen und Galerien in Wien, Rom, Paris, Montreal, Boston und New York.
Waltraut Cooper gilt als eine Pionierin der digitalen Kunst. Coopers "Klangmikado",das sie 1987 für die Ars Electronica schuf, gilt als Klassiker der digitalen Künste. Ihr künstlerisches Werk mit Schwerpunkt Medien, Licht und Architektur wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Waltraut Cooper ist Mitglied der Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler Österreichs, Künstlerhaus seit dem Jahr 1980. Sie ist Kuraturiumsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kulturpolitik. Am 18. Mai 2010 wurde ihr der Berufstitel "Professor" verliehen. Sie ist mit dem Universitäts-Mathematikprofessor James Bell Cooper verheiratet.
Mitte der 1970er Jahre entstehen Coopers erste Rauminstallationen. Später löst sich die Künstlerin zunehmend von tradierten Werkformen und rückt das Licht in den Mittelpunkt ihres Interesses und Schaffens. Waltraut Cooper bespielt ganze Gebäude, Fassaden mit computergesteuerten Licht- und Klanginstallationen, die eine intensive Verbindung zum öffentlichen Raum herstellen. Kaum eine Künstlerin hat das Spannungsfeld zwischen Poesie und Computer, zwischen Licht und Farbe so vielseitig ausgelotet wie sie.
In ihrem Großprojekt "Regenbogen für Europa" (2004) wurde in ausgewählten europäischen Metropolen historisch bedeutende Bauwerke in farbiges Licht getaucht als Zeichen von Verbindung zwischen Menschen, Zeiten und Orten (Königsschloss in Warschau, Brandenburger Tor in Berlin, Kolosseum in Rom, Kunsthistorisches Museum in Wien, Europa-Parlament in Brüssel, Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau). (WP)
FERDINAND PENKER, PREDING (ab März 2014)
Das Museum Moderner Kunst Kärnten (MMKK) zeigte 2010 Arbeiten von Ferdinand Penker, die in den letzten 40 Jahren entstanden sind. Ferdinand Penkers Arbeiten sind seit vielen Jahren vor allem in internationalen Ausstellungen zu sehen. Heute lebt und arbeitet der Künstler in Preding in der Steiermark.
Als "stiller Maler" wurde Ferdinand Penker immer wieder beschrieben, das gilt für die formale und farbliche Zurückhaltung seiner künstlerischen Arbeit, aber auch für die Person selbst: seriös, ruhig, gesammelt, wach, sehr wach, genau beobachtend, intellektuell, kritisch und dabei auch sehr ironisch humorvoll in der Einschätzung zum Beispiel der Werkschau im MMKK.(("Die Ausstellung erzählt die Geschichte von dem, der nicht gewusst hat, was Malerei ist und was Kunst ist. Die Entwicklung von diesem Nichtwissenden zu dem, der heute genauso wenig weiß", so Penker.
Das Leben im Kollektiv wie zum Beispiel in Japan hat den Künstlern in den letzten Jahren immer stärker beschäftigt. Wie positioniert sich ein Mensch? Versucht er auszubrechen oder zieht er sich in die völlige Isolation zurück?((Hikikomori beschreibt das Phänomen der unangekündigten und selbstgewählten Isolation. (ORF)
(Änderungen vorbehalten)
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