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Inge Dick: Ausstellung Malerei / Fotoarbeiten
Eröffnung 14.3.2003, 19.00 Uhr
Bodo Hell

Ausstellung 15.3.2003 bis 14.5.2003
Im Rahmen der Reihe
Reduktive Kunst im Museum der Wahrnehmung

Eröffnungskonzert: Walter Fähndrich, CH

Weitere Terminew zur Ausstellung:
18. April, 20.00 Uhr: LANGER ATEM
Musikalische Performance über 24 Stunden mit Wolfgang Seierl
2. Mai, 20.00 Uhr: LICHTWEISS
Konzert aus dem gleichnamigen Zyklus von Roland Dahinden
mit Hildegard Kleeb und Roland Dahinden
(siehe auch Vorschau)



zur Ausstellung Inge Dick


über mehrere wochen wird inge dick im museum der wahrnehmung an 42 bildtafeln arbeiten. während dieses malprozesses lässt die künstlerin die besucherInnen teilhaben an einem subtilen wahrnehmungsexperiment: die auf den ersten blick monochrom weiss erscheinenden tafelbilder erklären sich dem aufmerksamen blick als konzisen regeln folgende nuancierungen von in weiss sich erschließender farbigkeit. "das thema ihrer bilder ist das sehen selbst" sagt peter weiermair zu inge dicks malerei. eugen gomringer appelliert angesichts dieser sensiblen farbdifferenzierungen an die betrachterInnen: es brauche ein "sehr stilles versenken, um der feinheit der konzeption und der feinheit der herstellung, der geduldigen arbeit an den tafeln, farbstrich neben farbstrich, gerecht zu werden."
inge dick entwirft in ihren bildtafeln eine strengen kompositorischen regeln folgende farbwirklichkeit, die sich im konkreten raum des museums und unter den wechselnden bedingungen des einfallenden lichts den besucherInnen als individuell differenzierte wahrnehmungswirklichkeit entfaltet.

In der galerie des museums der wahrnehmung zeigt inge dick gleichzeitig einen zyklus zum thema " blue du ciel".

werner wolf


"Man stelle sich vor, ein Künstler schafft eine Arbeit und keiner kann sie sehen. Historisch ist diese Situation jahrzehntelang Alltag gewesen. In vielen Ostblockländern hatten kritische Künstler keine Chance auf Öffentlichkeit. Solche Kunst wurde nur in privaten Zirkeln präsentiert. Die Kunst kam in handliche Mappen, man traf sich bei Freunden, die Arbeiten machten die Runde; das war die Vernissage.

Doch es gibt verschiedene Arten der Behinderung des Sehens. Eine ist die oben skizzierte, die staatlich verordnete Isolation. Die andere, die subtilere ist die, dass Kunst zwar gesehen wird, aber nichts zu sehen ist, weil sich die Kunst selber immer mehr dem Nichts nähert. In der Tat hat das Nichts Künstler der Moderne stets interessiert. Man denke an Mahlewichs schwarzes Quadrat, auf weißem Grund, an Raimund Girkes reine weiße Kompositionen oder Yves Kleins Ausstellung des Nichts in der Galerie Clert in Paris, seine Symphonie Monotone sowie seine Projekte von Skulpturen des Immateriellen. Nein, die zunehmende Reduktion scheint Künstler eher fasziniert, als abgeschreckt zu haben, für viele gilt sie geradezu als Beleg künstlerischer Reife und Abgeklärtheit. Jedoch ist selbst eine Ausstellung des Nichts keineswegs identisch mit der Idee, dass da eine Arbeit wäre, die nicht wahrgenommen wird. Denn was bleibt, ist immer noch die künstlerische Geste, die von der Galerie und vom Publikum aufgegriffen wird. Ja, die Arbeit reduziert sich geradezu auf den Akt des Wahrnehmens, ist also eigentlich das Gegenteil der Anfangsthese. Die immer weiter reduziere Kunst, die im Nichts, im Immateriellen endet, läßt die Rezeption als alleiniges übrig."

Reinhold Mißelbeck
Im Katalog Inge Dick, Licht Raum Zeit

Inge Dick, geb. 1941 in Wien. Seit 1971 Ausstellungen im In- und Ausland. 1979 Beginn der Foto- und Polaroidarbeiten. Seit 1995 Arbeiten mit der großen Polaroidkamera (50x70 cm). und Fotoarbeiten zum Thema "Bleu du Ciel".
1999 Arbeiten mit der größten Polaroidkamera in Boston/USA
(100x200 cm). Lebt und arbeitet in Loibichl am Mondsee/Oberösterreich. Zahlreiche Preise, Stipendien und Symposionsbeteiligungen.

Inge Dick setzt im Bereich der Malerei und Fotografie
auf Beobachtungen, die an einem Punkt sensibler Reduktion
und präziser Fokussierung bildwirksam werden.

Werke in Museen und öffentlichen Sammlungen (Auswahl):
Graphische Sammlung, Albertina Wien
Guggenheim Museum, New York
Kunst Museum Bonn, Bonn
Landesmuseum Joanneum, Graz
Lenbachhaus, München
Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt
Museum Ludwig, Köln

Im Museum der Wahrnehmung wird Inge Dick über zwei Wochen im Hause an ihren Bildern arbeiten, vormittags ihr Atelier auf Zeit für Gäste öffnen und zu ihrer Arbeit sprechen.


Walter Fähndrich

Hymnische Rezensionen begleiten die Konzerte des Schweizer Bratschisten Walter Fähndrich. Nach einer klassischen Ausbildung entwickelte Fähndrich bald einen persönlichen Kompositionsstil und eine individuelle Interpretationstechnik. Er schreibt Kompositionen für Solobratsche (Alto Solo) sowie für Hörspiel, Theater und Ballett. Daneben erforscht er das Improvisationspotential der «lnstant Composition» wie es die europäischen Jazzmusiker seit den sechziger Jahren tun. Darüber hinaus hat er sich in den vergangenen zwanzig Jahren mit elektronischen Musikinstrumenten beschäftigt; neue elektro-akustische Räume kreiert und europaweit Klanginstallationen für Innen- und Aussenräume arrangiert.


PRESSE

Himmelsblau, lichtweiß

Inge Dick treibt ihre Auseinandersetzung mit dem Sehen bis an die Grenzen des Sichtbaren und ermöglicht faszinierende Wahrnehmungen.

WALTER TITZ in der Kleinen Zeitung vom 17.4.2003

Inge Dicks Kunst kann leicht übersehen werden. Die 62-jährige Wiener Malerin und Fotografin arbeitet seit Jahrzehnten konsequent in Zonen am Rande der Wahrnehmung. Ihre mit großer Geduld hergestellten Bilder handeln von feinen und feinsten Nuancen, die ihrerseits feine und feinste Sinnesorgane erfordern, dafür aber den Blick (um ihn geht es vor allem) schärfen. Das Grazer Museum der Wahrnehmung (MUWA) setzt mit dieser Personale seine hochkarätige Reihe der Präsentation von Arbeiten im Zwischenbereich von Kunst und Wissenschaft fort.
Inge Dick, deren Bilder sich in der Wiener Albertina ebenso befinden wie in der Sammlung des New Yorker Guggenheim-Museums, zeigt zwei Werkgruppen: einen titellosen Zyklus von 40 Ölbildern und die Fotoserie "bleu du ciel".
Für Ersteren hat die Künstlerin je acht Holztafeln mit den Farben Rot, Blau, Gelb, Grün und Violett grundiert und – wie ein Video in der Ausstellung zeigt – vor Ort mit Weiß überdeckt. Das Ergebnis konzentriertester Arbeit mit einer kleinen Spachtel sind auf den schnellen ersten Blick weiße Bilder, längere Betrachtung fördert verhaltenes Schimmern zu Tage, einen fast perlmuttartigen Glanz, der je nach Grundfarbe und Stärke der darüber liegenden Schicht changiert.
Die quadratischen Bilder von "Himmelsblau" entwickelt Dick aus dem Kleinbildfoto eines Stücks Himmel, einer scheinbar monochromen Fläche. In der digitalen Vergrößerung werden allerdings unzählige Nuancen sichtbar, ein Reichtum an Blautönen, der verblüfft. In der immer weiter getriebenen Vergrößerung nimmt dieser Reichtum wieder ab und mündet schließlich in der Monochromie – die kleinste digitale Einheit trifft sich gleichsam mit dem analogen Ausgangspunkt.

Die Veranstaltung wurde gefördert von: PRO HELVETIA