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Kurt Kaindl: Die unbekannten Europäer
VERLÄNGERT BIS 23. JUNI!
Ausstellung von Fotografien zum Buch über eine
Fotoreise zu den Aromunen, Sepharden, Gottscheern,
Arbereshe und Sorben
Eröffnung 16.5.2003, 20.00 Uhr
Museum der Wahrnehmung
Ausstellung 17.5. 2003 bis 15.6.2003
Eröffnung: Dzevad Karahasan
Publikumsgespräch mit Kurt Kaindl, Karl-Markus Gauß und Dzevad Karahasan
Eine Veranstaltung im Rahmen des Projekts "Das Fremde und das Eigene"
In Kooperation mit der Aktion "Kunst gegen Gewalt"
Einer der großen Irrtümer unserer Zeit ist die Annahme, dass Europa bereits entdeckt ist. Dabei sind über unsere geistige Landkarte noch immer weiße Flecken verstreut. Das Volk der Aromunen, wer hat von ihm schon einmal gehört? Die Sepharden von Sarajevo – wer weiß, dass sie die Tradition und Sprache jener spanischen Juden, die 1492 von der Inquisition aus ihrer Heimatvertrieben wurden, bis auf den heutigen Tag hüten?
Und viel bekannter sind auch nicht die Gottscheer, eine deutschsprachige Gruppe, die an der Grenze von Kroatien und Slowenien anzutreffen ist, oder die albanische Arbereshe, die seit 500 Jahren im Süden Italiens leben, oder die Sorben, Slawen, die seit den Zeiten Karls des Großen in der Lausitz, im Osten Deutschlands siedeln...
Fünf der kleinsten Volksgruppen Europas, die heute um ihr nationales Überleben kämpfen müssen, haben der Fotograf Kurt Kaindl und der Schriftsteller Karl-Markus Gauß in den letzten Jahren besucht. Kaindl nähert sich diesen unbekannten Europäern mit Neugier, aber auch mit Respekt. Es sind Bilder von berührender Intensität, sie zeigen bizarre Landschaften, verfallene Friedhöfe, schmucke Städtchen – und Menschen, die sich zu behaupten wissen.
Karl-Markus Gauß skizziert die Geschichte dieser Nationalitäten und erzählt von den Erfahrungen, die man machen kann, wenn man auf Reisen ins unbekannte Europa geht.
Kurt Kaindl, 1954 in Gmunden geboren, Studium in Salzburg, Parallel dazu Ausbildung al Fotograf, 1981 Gründungsmitglied der Galerie Fotohof, seit 1975 Fotoausstellungen, Lehraufträge an zahlreichen Universitäten. Lebt als Fotograf und freier Medienwissenschafter in Salzburg. Herausgeber der Edition Fotohof im Otto Müller Verlag, in dem im Herbst 2002 das Buch "Die Unbekannten Europäer" herausgegeben wird.
Kar-Markus Gauß, 1954 in Salzburg geboren, wo er als Autor und Herausgeber der Zeitschrift "Literatur und Kritik" lebt. Bereits 2001 veröffentlichte er unter dem Titel "Die sterbenden Europäer" im Zsolnay-Verlag ein Buch über die Reisen zu den unbekannten Völkern Europas.
Dzevad Karahasan, Grazer Stadtschreiber seit 1997. 1953 in Duvno/Jugoslawien (heute Republik Bosnien und Herzegowina) geboren, studierte Literatur- und Theaterwissenschaften, lehrte von 1986 bis 1993 Dramaturgie und Dramengeschichte an der Akademie für szenische Künste der Universität Sarajevo und arbeitete als Redakteur wichtiger Literatur- und Kunstzeitschriften.
Seine Theaterarbeit während der Belagerung Sarajevos hat er in "Tagebuch der Aussiedlung" beschrieben. 1993 verließ er die Stadt, lebte als Gastdozent und DAAD-Stipendiat in Salzburg, Berlin, und Göttingen. Sein Werk wurde mit zahreichen Preisen ausgezeichnet. Initiator und Leiter des Projektes "Poetik der Grenze" für GRAZ ZWEITAUSENDDREI-Kulturhauptstadt Europas.
PRESSE
Konturen und Gesichter
Spurensicherungen in Wort und Bild: "Die unbekannten Europäer".
WALTER TITZ in der Kleinen Zeitung vom 22.5.2003
Sorben, Gottscheer und Sepharden zählen zu den noch relativ bekannten unbekannten Europäern. Jedenfalls im Vergleich zu Arbëreshe und Aromunen. "Die unbekannten Europäer" ist ein Projekt, das den Salzburger Fotografen Kurt Kaindl, 49, zu den genannten Volksgruppen in die ostdeutsche Lausitz, nach Slowenien, Bosnien, Kalabrien und in das Dreiländereck von Griechenland, Mazedonien und Albanien geführt hat.
Kaindl, der als Co-Kurator heuer die große Inge-Morath-Schau im Grazer Künstlerhaus betreute, füllt mit seinem neuen Bildband und einer damit verbundenen Ausstellung gewissermaßen weiße Flecken der europäischen Landkarte, gibt ihnen Konturen, ein Gesicht, viele Gesichter. Der Autor Karl-Markus Gauß, 49, der den Bildreporter 1999 und 2000 auf den fünf Spurensicherungen in die genannten Gebiete begleitete, liefert die adäquaten Texte dazu.
Gauß hat seine Recherchen vor Ort umfänglicher auch im Buch "Die sterbenden Europäer" zusammengefasst, wobei er vor allem die Sepharden von Sarajevo und die Gottscheer-Deutschen in Slowenien von der Auslöschung bedroht sieht: "Gleichwohl trafen wir da wie dort kaum verbitterte oder verzweifelte Leute."
Auslöser für Kaindls Reise zu Minderheiten war die eher zufällige "Entdeckung" der Arbëreshe in Süditalien. Von Albanern, deren Vorfahren vor rund 500 Jahren auf der Flucht vor dem osmanischen Heer die Adria überquerten. Aus rund 50 europäischen Rand-Ethnien wählte er schließlich die erwähnten fünf als exemplarische Vertreter.
In Zusammenhang mit "Die unbekannten Europäer" ist auch die neue MUWA–Workshop-Reihe "Das Fremde und das Eigene" zu sehen. In ihr soll erprobt werden, "wie Einzelne und Gruppen mit Fremdheit im Anderen und im Eigenen verfahren". MUWA-Leiter Werner Wolf verspricht spannende (Selbst-)Erfahrungen: "Emotionales Verhalten lässt sich am besten über gefühlsmäßig bewegende Interaktionen verändern. Die Begegnung mit Kunst ist hier sehr hilfreich
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