Wahr ist viel mehr
Die Studien- und Lernwerkstätten des Museums der Wahrnehmung
Das MUWA bietet Gruppen (ab acht TeilnehmerInnen) die Teilnahme
an zielgruppenorientierten Workshops zur Wahrnehmung an.
Diese Workshops öffnen sich mit besonderer Sorgfalt der
Reflexion unterschiedlicher Erscheinungsformen von
Kunst, die sich mit Phänomenen der Wahrnehmung beschäftigt. Arbeitsziele
dieser Workshopreihe sind es, Kommunikationskompetenz, Konfliktlösungskompetenz und Informationskompetenz
zu fördern.
Die zentrale Aufmerksamkeit gilt dabei den kybernetischen
Prozessen diesseits der Schnittstellen zwischen außen und
innen, zwischen kybernetischen Maschinen und den sie nutzenden
BeobachterInnen. Da „der Hörer, nicht der Sprecher die
Bedeutung einer Aussage bestimmt“ (Heinz von Foerster), hat sich
das Museum der Wahrnehmung seit seiner Gründung im steirischen
herbst 90 vorrangig mit den Bedingungen und Modalitäten
der Sinne und des wahrnehmenden Denkens beschäftigt. Nehmen
wir nur wahr, was wir schon wissen? Können wir unseren Sinnen
trauen? Ist Realität unsere Erfindung?
Die Objekte und Installationen illustrieren eine gleichermaßen
beunruhigende wie faszinierende These: dass unsere sinnliche
Wahrnehmung uns kein Abbild der Realität vermittelt, sondern
lediglich ein mit Hilfe sprachlicher Beschreibung konstruiertes
Modell der Wirklichkeit.
Dieser Ansatz kann deutlich machen, dass alle Informationen
über die Welt im Prozess der menschlichen Kognition erzeugt
werden. Wenn wir also von einer uns gemeinsamen Realität
sprechen, gehen wir davon aus, dass sich im Prozess der
Kommunikation zwischen Individuen, die über eine vergleichbare
Sozialisation und über eine weitgehend identische biologische
Ausstattung verfügen, partielle Übereinstimmungen ihrer
kognitiven Systeme herausbilden, die vergleichbare Modelle
von Realität und damit Konsens erzeugen können.
Wahrnehmung wird in den Installationen des MUWA als ein
Prozess individueller und gemeinschaftlicher Inszenierung
von Wirklichkeit erlebbar und nachvollziehbar gemacht. Diesen
gemeinschaftlichen Aspekt der Konstruktion von Wirklichkeit
hat auch Ernst von Glasersfeld - mit Heinz von Foerster einer
der bedeutenden Vordenker konstruktivistischer Erkenntnistheorie
- hervorgehoben: „Was wir zumeist als objektive Wirklichkeit
betrachten, entsteht in der Regel dadurch, dass unser eigenes
Erleben von anderen bestätigt wird.“ Wahrnehmung meint dabei
nicht passives Abbilden, sondern aktives Gestalten von Welt,
durch das individuelle und gemeinschaftliche Verantwortung
geschaffen wird.
Die Installationen des Museums der Wahrnehmung sowie die
Übungsbeispiele setzen dabei auf die Irritation, die Störung,
die Paradoxien und Mehrdeutigkeit, die zwischen unserer
Wahrnehmung und unserem Denken offenbar werden. Mit dieser
Themenstellung setzt das MUWA an die Stelle einer sich als
kontraproduktiv erweisenden technischen Rationalität den
Ansatz einer ökologischen Rationalität, die ihren Ausdruck
findet im lebendigen Verknüpfen von kognitiven, emotionalen
und körperlichen Erfahrungen.
Das Museum der Wahrnehmung zitiert damit einen Gedanken
Heinz von Foersters, des Doyens konstruktivistischer Erkenntnistheorie:
"Wir verstehen nicht Verstehen, es entzieht sich uns, entschlüpft
uns, denn wir merken nicht das Unglaubliche, das Rätselhafte,
das Erstaunliche, das Wunderbare, das in alltäglichem Gespräch
und der Reflexion vor sich geht. Erst wenn dieser Strom von
Selbstverständlichkeit gestört wird, stehen wir staunend
vor diesem Wunder."
Zielgruppen: SchülerInnen ab der
5. Schulstufe (fächerorientierte Werkstätten); Studierende
aus den Bereichen Bildnerische Erziehung, Psychologie, Philosophie,
Architektur; TutorInnen und SeminarleiterInnen beispielsweise
aus den Bereichen Berufsfindung, Berufsneuentscheidung,
Wiedereinstieg in das Berufsleben, Altenbetreuung, Krankenpflege,
sowie verwandte soziale Dienste.
Termine und Kursgebühren auf Anfrage
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Die Grenzen unserer Sprache sind die Grenzen unserer
Welt.
Wittgenstein |