REINHARD ROY

"EINEN KREIS DENKEN"

Prof. Eugen Gomringer, Reinhard Roy

 

Eröffnung: 15. September 2017, 19.30 Uhr

Rede: Prof. EUGEN GOMRINGER, Gründer des IKKP Institut für Konstruktive Kunst und Konkrete Poesie in Rehau

Eröffnung durch Landesrat Mag. CHRISTOPHER DREXLER

Ausstellung: 16. September bis 2. Februar 2018

http://www.roy-art.de                  

 

Zur Ausstellung wurde ein Katalog herausgegeben:

REINHARD ROY

"EINEN KREIS DENKEN"

"THINKING A CIRCLE"

mit zahlreichen Werkabbildungen, Texten von REINHARD ROY, EUGEN GOMRINGER, EVA FÜRSTNER und WITA NOACK, der Biografie und einer Ausstellungs- und Sammlungsübersicht.

 

Im Rahmen der Ausstellung ist der  Katalog im MUWA zum Sonderpreis von € 10,- erhältlich!

 

 

REINHARD ROY: „Das Raster hat sich als Element zum Identifikations- und Ausdrucksmittel meiner Arbeit entwickelt. Als eine in beliebige Richtungen erweiterbare Struktur nutze ich es in einem weiten Spektrum für die Kunst. So erreiche ich mit ihm beispielsweise räumliche Wirkungen auf der Fläche durch die Variation des Abstandes der Rasterpunkte auf unterschiedlichen Farbgründen. Die Überlagerung einer monochromen Ebene mit einer homogenen Rasterstruktur, dessen Verschiebung und Drehung, führen dann zu weiteren Schritten aus der Zweidimensionalität. Die aus der Kreisfläche oder der Ellipse abgeleiteten Großformen erzielen ihre Wirkung zunächst durch ihre voluminöse Kraft. Das Raster als Perforation oder haptisch aufgetragen, betont und steigert hier die dritte Dimension.“ (2009)

 

BILDER DER AUSSTELLUNG

 

AUFBAU / VORBEREITUNGEN

 

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG

 

REINHARD ROY

"EINEN KREIS DENKEN"

 

Zur Kunst fügen sich viele Aspekte. Nicht immer bedürfen sie einer Erklärung. - REINHARD ROY beschäftigt sich in seinem künstlerischen Schaffen mit der Form des Kreises: Was seine mittlerweile jahrzehntelange Auseinandersetzung damit ausgelöst hat, lässt sich – wie er selbst sagt – nicht mehr genau eruieren.

 

Das Spannende am Kreis mag in seiner einfachen Form begründet sein: eine sich findende Linie, ohne sichtbaren Anfangs- und Endpunkt, in unzähligen Artefakten zu finden wie auch in der Natur – mehr oder weniger präzise. Ein Kreis zeichnet sich durch Geschlossenheit aus, weist etwas Innerem seinen limitierten Platz zu und lässt das Umgebende außerhalb seiner Umrisslinie.

 

Der Kreis taucht bei REINHARD ROY in seiner minimalsten Ausführung als Punkt auf, in vervielfachter Form als Fläche wahrnehmbar, mitunter Tiefe oder sogar Bewegung auf zweidimensionaler Bildfläche suggerierend. Er präsentiert sich BetrachterInnen auch als real umrundbare Objektform unterschiedlicher Größe. Die Kreisform kann als Erhöhung, Vertiefung oder Durchbruch schöpferisch entstehen, sie kann sich vom Rund entfernen, hin zur Ellipse und sogar bis zur Linie führen, genauso aber wieder zum Kreis zurückkehren. Auf diesem Weg passiert ein Gruppieren, ein Ordnen, ein Gewichten zwischen Formen innerhalb einer Arbeit oder einer Serie mit dem Ziel, die einzelnen Elemente zu einem Ganzen zu gestalten.

 

 

Der Künstler setzt seine Ideen in unterschiedlichen Materialien um, darunter Papier, Pappe, MDF oder Stahl, operiert mit verschiedenen Oberflächen-Qualitäten, nutzt klassisches Werkzeug ebenso wie mittlerweile den Computer, um ein zweidimensionales Objekt in einen rotierenden Körper zu transformieren, diesen auszutesten. In der Ausstellung "EINEN KREIS DENKEN" im Museum der Wahrnehmung MUWA zeigt der Künstler Werke aus unterschiedlichen Schaffensphasen.

 

Wagt man das ROY’sche Gedankenexperiment, lässt sich das Oktogon des MUWA als Ausgangspunkt Richtung Kreis denken (selbst wenn durch unendlich fortgeführtes Abschneiden der Ecken der Kreis nie erreicht wird) und erlaubt damit BesucherInnen im wahrsten Sinn des Wortes einen AusstellungsRUNDgang dank der Architektur, ergänzend zum umkreisenden Wahrnehmen der Objekte und schließlich mündend in der Aufforderung zur Interaktion: Das Anordnungsspiel eines Quadrates von 4 x 4, also 16 verschiedenfarbigen Ringen verdeutlicht, dass bei Umordnung im Sekundentakt 663.457 Jahre nötig wären, um alle Möglichkeiten darzustellen!

 

Eva Fürstner

 

 

 

REINHARD ROY

THINKING A CIRCLE

 

"Many aspects fit into art. They don't always need an explanation." REINHARD ROY deals with the circular form in his art work: What his analysis of circular forms over decades has caused cannot - as he says himself - be determined.

 

The fascination with the circle may be explained by its simple form: a line found, without a beginning and end, infinite and to be found in countless artificial objects, as well as in nature - more or less precise. A circle stands out through its wholeness, assigns its limited place to something internal, and draws a line with what surrounds it.

 

The circle arises in his minimalist execution as a point in the works of REINHARD ROY, as a proliferation of form to perceive as a surface, sometimes suggesting depth or even movement on a two-dimensional surface. He presents himself as a real object to be circled by visitors. The circular form can be created as an elevation, an indentation or a cut-out, it can go far away from the round to the ellipse up to the line, as well as returning to the circle. In this way a grouping, an arrangement, a weighing between forms inside the work or inside the series can take place with the goal of designing the individual elements into a whole.

 

The artist implements his ideas with different materials. Among them are paper, cardboard, MDF and steel and he operates with different surface qualities. He uses classical tools as well as the computer to transform and to test a rotating body from a two-dimensional object. The artist shows in his exhition "THINKING A CIRCLE" in the Museum of Perception a number of works of different periods of creation.

 

If one takes a chance on ROY's thought experiment, so the octagon of the Museum of Perception is a possible departure point for the circle - even when through endless cutting of the corners of the octagon, you'll never completely reach it. Visitors can really walk in a circuit through the exhibition due to the architecture, complemented by the perceiving walk around the objects. All ends in the invitation to interact in the game of compilation: A square of 4 x 4, thus 16 rings of different colours illustrates that 663.457 years would be necessary to show all possibilities providing that the structure is changed every second!

 

 

 

REINHARD ROY, geboren 1948 im niederschlesischen Klitten, Deutschland. Von 1969 bis 1974 erfolgt das Studium an der Hochschule für Kunst und Gestaltung Halle - Burg Giebichenstein / Diplom. 1976 erhält REINHARD ROY den Preis des Amtes für Formgestaltung in Berlin. Von 1979 bis 1983 arbeitet er als externer Fachgutachter beim Amt für Formgestaltung in Berlin und übt von 1984 bis 2010 externe Mitarbeit in den Bereichen Kunst, Design und Architektur für die KfW Bankengruppe in Frankfurt am Main, Berlin, Bonn und Brüssel aus. 1987 erhält er Daniel–Henry–Kahnweiler–Preis für Malerei und Graphik der Deutschen Kahnweiler Stiftung. Von 1995 bis 1999 erhält er den Lehrauftrag „Farbe und Gestaltung“ an der Fachhochschule Wiesbaden. Seit 1976 übt REINHARD ROY Jurytätigkeit aus, setzt Gestaltungs- und Kunstausstattungsprojekte um und bestreitet zahlreiche Ausstellungen in Europa, den USA und Asien. Seine Werke sind in internationalen öffentlichen, institutionellen und privaten Sammlungen vertreten.

 

 

PROF. EUGEN GOMRINGER, geboren 1925 in Cachuela Esperanza, Bolivien, als Sohn eines Schweizers und einer Bolivianerin, gilt als Vater der Konkreten Poesie. EUGEN GOMRINGER studiert von 1944 bis 1952 Nationalökonomie und Kunstgeschichte in Bern und Rom. Von 1954 bis 1957 arbeitet er als Sekretär von Max Bill an der Hochschule für Gestaltung in Ulm. Von 1967 bis 1985 leitet er den Kulturbeirat der Rosenthal AG in Selb. Von 1977 bis 1990 lehrt er überdies als Professor für Theorie der Ästhetik an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf. Seit 1971 ist EUGEN GOMRINGER Mitglied der Berliner Akademie der Künste. 2000 gründet er das Institut für Konstruktive Kunst und Konkrete Poesie (IKKP) an seinem langjährigen Wohnort, dem oberfränkischen Rehau.