Kunstausstellung / Art Exhibition

JOHN CARTER

"ERWEITERTE MALEREI"/"EXTENDED PAINTING"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                    Werkdetail und Porträtfoto JOHN CARTER © PETER ABRAHAMS

 

Eröffnung: Freitag, 14. September 2018, 19:30 Uhr

MUWA-Leiterin EVA FÜRSTNER im Gespräch mit JOHN CARTER

Ausstellung: 15. September 2018 - 1. März 2019

 

 

JOHN CARTER

"ERWEITERTE MALEREI"

 

Der britische Künstler JOHN CARTER präsentiert in seiner Ausstellung "ERWEITERTE MALEREI" im Museum der Wahrnehmung MUWA Arbeiten, die im Zeitraum von 1986 bis 2017 entstanden sind. Der Künstler, seit 2007 Mitglied der Royal Academy of Arts, bezeichnet seine Arbeiten als Wand-Skulpturen: "Das Wesen meines Werkes wurde oft als Dialog zwischen Malerei und Bildhauerei beschrieben, ist aber in Wirklichkeit eine Erweiterung der Malerei in den dreidimensionalen Raum."

 

Die geometrischen Formen, die CARTER gewöhnlich aus Sperrholzplatten ausschneidet, sind hohle Konstruktionen, die er mit einer Mischung aus Acrylfarbe und Marmorpulver beschichtet. Sie haben einerseits Eigenschaften, die für Malerei charakteristisch sind, wie Zweidimensionalität, abgegrenzte Oberflächen und Farbe, andererseits weisen sie skulpturale Merkmale auf, wie Masse, Öffnungen und Einschnitte. Die Arbeiten sind selten rechtwinkelig. Zunächst wirken sie durch ihre Körperlichkeit und den Umstand, dass sie massiv und dennoch konstruiert erscheinen. Sie sind ausnahmslos flach und glatt, treten aus der Wand hervor und betonen damit ihre physische Beschaffenheit, die sich deutlich von der Malerei unterscheidet. Daneben gehört auch die Farbe zu den primären Eindrücken beim Betrachten. In einem weiteren Schritt wird deutlich, dass die Arbeiten auf analytische Weise "lesbar" sind und die Formen nicht zufällig zusammengefügt, sondern Teil eines kohärenten Systems, welches ihre Positionen und Beziehungen zueinander innerhalb der Einheit der Struktur festlegt, sind. Die Arbeiten werden durch Verbinden, Überlappen, Verzahnen, Falten oder Rotieren der Formen zusammengebaut, entstehen aber auch durch die dabei erzeugten Leerstellen, die den Formen ebenbürtig sind.

 

Die Wechselwirkung der malerischen Elemente ist ein wichtiger Aspekt in CARTERS Werk, beispielsweise wie eine Form mit einer anderen interagiert, um damit eine Illusion von Bewegung zu erzeugen, oder die scheinbare Verzerrung einer Fläche, hervorgerufen durch die Winkel ihrer Seiten. In einigen Arbeiten werden scheinbar identische, in Wirklichkeit jedoch verschiedene Elemente in einer rhythmischen Struktur so über die Fläche verteilt, dass die Struktur schwer auszumachen ist. In anderen Werkgruppen wiederum wird durch nicht exakt senkrechte Linien oder durch Linien, die in einem minimalen Winkel zu vorhandenen echten Vertikalen stehen, ein destabiliserender Effekt erzeugt, der unser Empfinden von Vertikalität in Frage stellt. Das Zusammenspiel dieser Elemente löst Verwirrung aus, hat doch das Auge Schwierigkeiten, diese klar zu erkennen.

 

Die Oberfläche von CARTERS Kunstwerken besteht aus Acrylfarbe als Träger, vermischt mit Marmorpulver und Pigment. Die Mischung wird mit einer Spachtel aufgetragen und nach dem Trocknen glatt geschliffen. Der Künstler spricht diesbezüglich vom bildhauerischen Prozess im Sinne von "Herstellen" einer Oberfläche, anstelle der Verwendung der vorgegebenen Fläche der Sperrholzplatte. Der Vorgang des Schleifens erzeugt auf der Oberfläche minimale Unterschiede im Farbton, der auf geschliffenen Stellen heller ist im Vergleich zu ungeschliffenen Stellen. Das erzeugt gerade so viel Störung und damit zu fokussierende Stellen, um das Auge nicht aus dem begrenzten Bereich abschweifen zu lassen. Dieser Umstand steigert auch die Fühlbarkeit der Arbeit und demzufolge ihre 'Wirklichkeit'.

 

 

JOHN CARTER

"EXTENDED PAINTING"

 

The British artist, JOHN CARTER, is showing works made from 1986 to 2017 in a solo exhibition at the Museum of Perception MUWA. He was elected as a member of the Royal Academy of Arts in 2007. He describes his work as Wall Sculptures: “The nature of my work is often described as a dialogue between painting and sculpture, but, in reality, it is an extension of painting into three-dimensional space.”

 

The geometric forms, which Carter usually makes from plywood, are hollow structures coloured with a coating of acrylic and marble powder. These works have certain features which are characteristic of painting: flatness, divided surface areas and colour - and others which are characteristic of sculpture: physical bulk, holes and slots. The overall shape of these works is often non-rectangular. The spectator should initially be struck by the physical dimension of the work; the fact that it seems to be solid and yet constructed. Its form is invariably flat and slab-like, it projects from the wall and asserts a physical character which is significantly different from that of painting. Colour will also form part of the spectator’s first impressions. At the next stage, the viewer will begin realise that it is possible to “read” the work in a more analytical way, and that the shapes are not thrown together randomly, they are part of a coherent system which determines their relative positions and their relationships to one another within the unity of the structure. The works are built by connecting, overlapping, interlocking, folding or by the rotation of shapes, but also by giving equal significance to the negative spaces thus created.

 

The issue of the visual interplay of pictorial elements is an important one in Carter’s work. For example, the way in which one form interacts with another to create an illusion of movement, or the apparent distortion of a flat surface produced by the angles of its sides. In some works, repeating elements deployed in a rhythmic pattern across the surface appear to be identical but in reality they are different from one another in ways that the eye finds difficult to determine. In other groups of work, by using lines which are just-off the vertical or at a slight angle in conjunction with true verticals, a destabilising effect is produced which calls into question our own sense of verticality. The interplay of these elements causes the eye to become confused because it has difficulty in distinguishing between them.

 

The surface of Carter’s art-works is made from a mixture of acrylic medium, marble powder and pigment. It is applied to the plywood structure with a decorator’s scraper and when dry it is sandpapered down to make it flat. He considers this to be a sculptural process in the sense that he is ’making’ a surface, rather than accepting a given one such as the plywood itself. The process of sanding, creates tiny differences of tone on the surface where the colour is lighter on the sanded parts than the unsanded ones. The eye cannot tolerate blankness and will move out to the edge if it finds nothing to focus on. Therefore this network of linked focal points provides just enough visual incident to hold the eye. It also enhances the tactility of the work and hence its ‘reality.'

 

JOHN CARTER / EVA FÜRSTNER

 

 

 

JOHN CARTER, geboren 1942 in Hampton Hill, Middlesex, Großbritannien. Nach dem Studium an der Twickenham School of Art von 1958 bis 1959 und an der Kingston School of Art von 1959 bis 1963 erhält er 1963 ein Stipendium für Italien von der Leverhulme Stiftung. Während dieser Reise entstehen seine ersten abstrakten Arbeiten an der British School in Rom 1964. Nach seiner Rückkehr nach England arbeitet JOHN CARTER als Assistent des Bildhauers Bryan Kneale. 1966 erhält er das Peter Stuyvesant Reisestipendium in die USA. 1968 nimmt er an der Gruppenausstellung "New Generation:1966" in der Whitechapel Art Gallery in London teil, im selben Jahr findet auch seine erste Einzelausstellung in der Redfern Gallery in London statt, weitere folgen dort in den Jahren 1971, 1974 und 1977. JOHN CARTER erhält mehrere Preise: 1977 den Arts Council of Great Britain Award, 1979 den Arts Council Purchase Award und 1981 einen Preis von der Tolly Cobbold/Eastern Arts/3rd National Exhibition. 1983 erfolgt eine retrospektive Ausstellung seines Werkes an der Warwick Arts Trust in London. Mehrmals - 1980, 1983, 1987 und 1990 - stellt der Künstler in der Nicola Jacobs Gallery in London aus. 1986 nimmt er an der internationalen Gruppenausstellung "Die Ecke" in der Galerie Hoffmann in Friedberg, Deutschland, teil, wo er erstmals mit europäischen konkreten und konstruktiven KünstlerInnen zusammentrifft. Es folgen zahlreiche Ausstellungen in Europa, aber auch in Japan und in den USA. 1993 realisiert CARTER eine monumentale Skulptur an der Technischen Universität in Darmstadt. Parallel zu seinem künstlerischen Schaffen unterrichtet er an Kunstschulen. Aus dem aktiven Berufsleben am Chelsea College of Art and Design zieht er sich 1999 zurück. 2007 wird er zum Mitglied der Royal Academy of Arts gewählt. JOHN CARTER lebt und arbeitet in London.

 

Zur Ausstellung wird ein eigener Workshop für Schulklassen konzipiert.