Foto-Ausstellung

"Frau_Mann_Transgender fotografiert: Feminismus"

 

Eröffnung: 8.3.2017 durch Kulturstadträtin LISA RÜCKER

 

Queer-feministische Kinderbuch-Lesestunde im MUWA: 8. März 2017, 15.30-16.30 Uhr mit den VorleserInnen Ulrike Freitag, Daniela Graf, Gerald Kuhn, Gerlinde Pölsler und Evelyn Schalk

 

Ausstellung: 8. März 2017, 14:00 bis 18:00 Uhr; 9. bis 29. März 2017 (verlängert!), täglich von 13:00 bis 18:00 Uhr, außer Dienstag!

 

Unter dem Aspekt, Rollenklischees aufzubrechen, Ungleichheiten, Widersprüche und sexistische Strukturen aufzuzeigen, Gleichberechtigung vorzuleben sowie Zukunftsvisionen zu entwickeln, wird anlässlich des Internationalen Frauentages im Museum der Wahrnehmung MUWA eine Auswahl an eingereichten Fotos im Obergeschoß gezeigt.

 

TeilnehmerInnen: Kati Bruder, Verena Reiter, Anna Ceeh & Iv Toshain, Pia Schmikl, Silke Rittner, Kollektiv "Antisexistisches Glitzern"/Marina Ortner, Veronika Merklein, Kollektiv "Fahrersitz"/Sarah Schmidt & Fritz Becke, Wernfried Haas, Girl Gangs Over Graz, Anna Lisa Chang, MAKI Marlies Gruber/Angelika Thon/Kerstin Pirker/Isolde Zaungast, Marietta Schmutz, Florian Sorgo, Pia Leiding & Elissa Killiana, Birgit Kniebeiß, Kristina Sammer, Ginevra Schwarz, Ulla Sladek, Nika Petrović, Natascha Auenhammer, Arthur Kuhn, Bettina Mayer, Margarita Moderitz, Evelyn Schalk, Carla Degenhardt, Andreas Brandstätter, Dante Buu

 

Initiiert wurde das Projekt von Gerald Kuhn, 2. Bezirksvorsteher-Stv. Jakomini und veranstaltet von Eva Fürstner, Museum der Wahrnehmung MUWA und Gerhard Moderitz, Club der Amateurfotografen Graz CDA, wo am 8. März 2017 um 19.30 Uhr eine weitere, eigenständige Ausstellung zum Thema "Frauen fotografieren - Internationaler Frauentag 2017" eröffnet wurde. CDA, Klosterwiesgasse 35/K, Graz - mehr Informationen auf http://cdagraz.at/

 

Die Ausstellungseröffnung fand dankenswerterweise mit besonderer Unterstützung durch den Bezirksrat Jakomini statt!

 

Medienberichte, Statements zu den Arbeiten der TeilnehmerInnen und Feedbacks von BesucherInnen: bitte einfach hinunterscrollen!

 

Bilder der Ausstellungseröffnung   


Ausstellungstipp im

FALTER 9/17


Bericht von Michaela Reichart in der Kronenzeitung vom 8. März 2017


Statements von den TeilnehmerInnen zu den Arbeiten

 

Pia Schmikl

 

Parisa - The Clown

 

Hi!

If you are reading this, you can consider yourself a friend I would like to share information with.

I changed my name!

So I'm asking you to be respectful and call me by my real/chosen name from now on. Please correct my name on your phone or calendar so you know, there's only one name from now on.

"Why did you change your name?" you may ask now.

I am trans* and I feel more comfortable with this female name.

I also wish to be called by "she/her" pronouns.

If you have any question regarding all of this - Google is your friend. Just kidding, ask me anything.

Thank you!

Love, Parisa.

 

Dieser Eintrag stammt von Parisa Madanis Facebook-Pinnwand.

Sie veröffentlichte ihn im September 2016.

239 Personen finden Gefallen daran.

Parisa Madani ist 21 Jahre alt, lebt in Berlin und ist Performance-Künstlerin. Für ihre Shows verwandelt sie sich in "The Clown" und vertanzt ihre eigene Geschichte - über ihre persisch-deutschen Wurzeln, die Suche nach Identität und den Versuch, in ihrem eigenen Körper glücklich zu werden.

Ihr Wunsch: die Dekonstruktion von Geschlechterrollen und den damit verbundenen Stereotypen, sowie die Revolutionierung der Drag-Welt.

Die Bilderserie der Fotografin Pia Schmikl gibt einen intimen Einblick hinter die Bühne und zeigt die Verwandlung von Parisa zu "The Clown".

 

 

Carla Degenhardt

 

TELECIRCE“

Fotoinstallation mit 18 Fotos ca. 21x21 cm

 

Die Bildervorlagen für „Circe“ wurden von Fotoromanzaheften entnommen. Sie erzählen von den ewigen Themen: von Freundschaft und Liebe, Verrat, Tod und Versöhnung.

Klischeehaft wie die Handlung sind die Bilder, Projektionsfläche für Erhofftes und Märchenhaftes.

Degenhardts Paraphrase zielt tief in die Seh- und Empfindungskonventionen des Betrachters. In subtil-monströse Dimensionen wächst sich die Ironie aus, wenn Degenhardt die Gesichter ausschneidet und durch fast unkenntliche Detailvergrößerungen von Brustwarzen und Harnröhre ersetzt.“ (Tobias Natter)

Slavoj Zizek sagte einmal, dass Menschen sich nur ineinander verlieben, weil sie lediglich die Oberfläche wahrnehmen, kehrte man die Innereien nach außen, würde das traumatisch enden. Nach Zizek ist genau hier das „sublime objekt of psychoanalisis“ anzusiedeln.

 

 

Anna Lisa Chang

 

Traumatage

Und Anouk sagte: Was seine Übergriffe mit mir gemacht haben? Das zeigt das Tape doch recht eindeutig. Oder etwa nicht?

Es schmerzt immer noch. Als hätte jede Zelle, die er berührt hat, den Schmerz für immer gespeichert. Und mein Herz. Mir tut mein Herz so weh.

 

Muttersein

Zu Hause ziehen sich die Stunden manchmal ins Endlose. Rituale und Einzigartigkeiten, Monotonie und diese Momente, in denen sie irgendetwas zum allerersten Mal tun.

Wer hätte gedacht, dass es so sein wird?

Die Zeit wird nie mehr wieder kommen. Jeden Tag werden sie älter – so klein wie heute werden sie nie wieder sein. Und

trotzdem – dieses Genießen, von dem alle reden, fällt so schwer.

Oder geht’s nur mir so?

 

 

Bettina Mayer 

 

Frauen im Park: Genderroles aufbrechen ist nur was für die Jungen? Auch die ältere Generation lässt sich immer weniger vorschreiben, was sich „gehört“.

 

Smash Sexism: Sinnbild dafür, dass Sexismus leider noch immer ein Thema ist.

 

Kati: Wie lebt Mann / Frau? Junge Frauen wählen aus den verschiedenen Perspektiven zu leben aus und lassen sich immer weniger vorschreiben, was für sie möglich ist und was nicht.

 

 

 

Pia Leiding & Elissa Killiana

 

Der Begriff Gläserner Aufzug (engl. glass elevator) wird in Anlehnung an die Metapher der gläsernen Decke verwendet, die Frauen daran hindert Karriere zu machen. Es handelt sich um ein Erklärungsmodell für das Phänomen, dass viele Männer, die in typischen Frauenberufen (z.B. Kindergärten, Pflegeberufe) arbeiten, bevorzugt ins Management aufsteigen.

Mit unseren Fotografien wollen wir diesen Missstand aufzeigen. Trotz anhaltender Bemühungen zur Umsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern herrscht weiterhin ein Ungleichgewicht vor. Besonders leicht zu veranschaulichen ist dies im Bereich der Erwerbstätigkeit. Hier werden Managementriegen weiterhin von Männern dominiert und das Führungspotenzial mit klassisch „männlichen“ Persönlichkeitsattributen verbunden.

Wir wünschen uns, dass sich etwas in den Köpfen der Menschen verändert. Dass Frauen und Männer auf Augenhöhe miteinander leben, arbeiten und kommunizieren können.
Veranstaltungen wie diese tragen ein Stück weit dazu bei Themen wie dieses in die Öffentlichkeit zu tragen.
Wir wünschen uns eine Zukunft, in der das Geschlecht und die Sexualität eines Menschen keine Auswirkungen mehr auf die Lebensplanung und die eigenen Handlungsmöglichkeiten haben.

Am besten schon gestern.

 

 

Birgit Kniebeiß

Text von Julia G. (Stefan Reinisch)

 

Mein Name ist Stefan Reinisch, auch bekannt als Julia G., nach welcher die ihnen vorgelegte Reihe benannt wurde. Die Idee zu den Bildern entstand in dem Konzept, die weibliche Geschlechterrolle aus Kalendern, Filmplaketen und auch Werbungen zu übernehmen und so aufzuzeigen, wie sehr sich der Gedanke des Betrachters/der Betrachterin verändern kann, indem man nur das Geschlecht der Person ändert. Ein Bild, was für viele erotisch wirkt, erhält plötzlich einen anderen Effekt aufgrund des Tausches der Geschlechterrolle.

Die Bilder entstammen den für 2018 geplanten Twisted Gender Role Kalender, welcher in Kooperationen mit verschiedenen Fotografinnen und Fotografen über erstellt wird. Die ausgestellten Bilder entstammen allesamt der Zusammenarbeit mit Birgit Kniebeiß. Das Ziel ist es, die Betrachterinnen und Betrachter zum Denken anzuregen. Überlegungen anzustellen, warum man in diesen Augenblick so fühlt, wenn etwas nicht einer "gesellschaftlichen Norm" entspricht. Den Gedanken aufzuwerfen, über es Sexismus ist, wenn es bei dem anderen Geschlecht nicht in Ordnung ist? Als Beispiel wäre eine gewünschte Hinterfragung des eigenen Denkens: "Ich finde die Rosenszene in American Beauty erotisch/sexy, warum ist es anstößig, wenn ich einen Mann in der selben Szene sehen sollte?"

Desweiteren soll er aufzeigen, in welcher gesellschaftlich Verankerten und teils verkanteten Norm wir uns tatsächlich befinden und dass die Ästhetik eines Bildes nichts mit Pornographie zu tun haben muss, nur weil sich eine Person so darstellen wollte. Es soll zeigen, dass die freie Entscheidung der Person ist, und man jemanden nicht anhand der eigenen Anstößigkeit beurteilen sollte.

Als Modelle für den Kalender und seinen Bildern stellen sich Julia G. und die Band rund um Julia G. zur Verfügung. Die Band selbst spielt auch mit Vorurteilen, provokanten Titeln mit hinterfragenden Inhalt und Geschlechterrollen. Aus diesen Grundgedanken ist die Idee zum Twisted Gender Role Kalender entstanden, von welchem der Gewinn zu 100% für einen wohltätigen Zweck gesponsert wird.

 

 

 

Margarita Moderitz

 

"Das einzige, das in diesem baufälligen, ehemaligen Arbeitwaschraum noch völlig in Ordnung war, war das "Pin-up Girl"

 

 

Kollektiv "Fahrersitz" Sarah SCHMIDT & Fritz BECKE

 

Mann oder Frau. Rosa oder Blau.
Eine Geburt und eine klare Zuteilung, welche das gesamte restliche Leben bestimmt. In diesem Bild wird nur ein äußerliches Merkmal, der Bart, getauscht und schon ändert sich die Wahrnehmung. Die Selbstwahrnehmung, sowie die der anderen.

Wie viel Frau, wie viel Mann bin ich? Wie viel rosa und wie viel blau? Diese Frage kann einerseits gesellschaftspolitisch und andererseits aus dem alltäglichen Standpunkt aus betrachtet werden. Ist es nicht egal, wer schlussendlich den Bart trägt?

 

 

Ulla Sladek

 

Doing Gender by Photography - Geschlechterkonstruktion in der Fotografie

 

Frauen und Männer haben gelernt, bestimmte Körperhaltungen als weiblich und andere als männlich zu empfinden. In der Portraitfotografie wird dies gerne verstärkt: Es finden sich etliche Anleitungen für FotografInnen in Fachbüchern und im Internet, um Frauen und Männer vor der Kamera in die „richtige“ Haltung zu bringen. Damit tragen FotografInnen zur Herstellung und Aufrechterhaltung von Geschlechterstereotypen bei.

Im ersten Teil von Doing Gender by Photography (2014) fotografierte Ulla Sladek Frauen und Männer in als geschlechtertypisch und geschlechteruntypisch empfundenen Posen. Im MUWA zu sehen sind Teil 2 und 3 der Serie: In Teil 2 (2015) setzte Ulla Sladek die Tipps für PortraitfotografInnen, die sie im Internet und in Fachbüchern gefunden hat, selbst in Szene. Für eine dritte Serie (2016) führte sie mit Jutta Eppich, Frauengesundheitszentrum, einen Workshop mit Mädchen im Rahmen des Projekts Go! Girls Only, verein-freiraum, durch. Gemeinsam mit den Mädchen wurden Darstellungen von Mädchen und Frauen in Zeitschriften, im Fernsehen und im Internet reflektiert und alternative Formen jenseits dieser Vorgaben gesucht.

www.ullasladek.at

 

 

Wernfried Haas

Der Arbeitskreis ShiBarista tanzt die 80er.

 

Flashdance 2015 - Your gender might be as fluid as the water on your body.

Flashdance (1983) ist im Original die Geschichte einer Stahlarbeiterin, die eigentlich lieber tanzen möchte. Auch drei Jahrzehnte später sind Geschlechterrollen und Stereotype bezüglich Berufswahl und Interessen gesellschaftlich tief verankert.

Die Neuinterpretation 2015 zeigt anstatt einer Frau einen männlichen, barttragenden Protagonisten in der aus dem Film bekannten ikonischen Pose. Die Bildunterschrift „Your gender might be as fluid as the water on your body.” ist gleichzeitig ein Querverweis auf die Entwicklungen im Bereich der Gendertheorie.

 

Very Dirty Dancing

In Very Dirty Dancing findet sich die Hebefigur des Originalfilms (1987) in einem verfallenen Grazer Tanzlokal der 80er Jahre wieder. Die Leichtigkeit des Tanzes ist jedoch schon lange verflogen, stattdessen wurde die Pose mit Seilen fixiert.

Auch hier sind die Rollenbilder sehr klassisch verteilt – die Aufgabe des Mannes ist es buchstäblich die Frau auf seinen Händen zu tragen, während die Frau keinen Boden unter den Füßen hat und davon abhängig ist, von ihm gestützt zu werden. In einer rund um die beiden in der Vergangenheit feststeckenden Welt sind die beiden miteinander ver-, aber auch aneinander gebunden – und doch kann ein Ausbruch möglich sein.

 

 

MAKI - Marlies Gruber, Angelika Thon, Kerstin Pirker, Isolde Zaungast

 

Frausein wird tagtäglich neu hergestellt, das wird am Umgang mit weiblichem Körperhaar deutlich sichtbar. Während das Haupthaar lang und üppig sein soll, müssen Haare am Körper epiliert, gewachst, rasiert oder gelasert werden, damit die glatte Oberfläche der scheinbar natürlichen Weiblichkeit entsteht.

Die Entfernung des Körperhaars kostet Geld, verursacht Schmerzen und nimmt viel Zeit in Anspruch. Sie ist allgegenwärtig und dennoch tabuisiert. Je knapper die Mode wurde, je größer der gesellschaftliche Freiraum von Frauen, umso mehr Haar musste entfernt werden. Und das immer und immer wieder. "Das mache ich nur für mich", sagen viele Frauen. Und: "Jede, wie sie mag, aber ich find´s rasiert schöner!" Individualisierung ist ein guter Nährboden, um gesellschaftliche Normen bis zur Unkenntlichkeit zu verschleiern. Wenn jede glaubt, selbst zu entscheiden, fällt gar nicht weiter auf, dass alle die gleiche Entscheidung treffen.

Junge Frauen kennen keine Frauen mit Körperhaar mehr und reagieren mit offener Ablehnung, wenn sie solche sehen. In ihren Köpfen SIND Frauen unbehaart. Das Natürliche ist zur Abweichung geworden. Normen werden oft erst sichtbar, wenn sie gebrochen werden.

 

MAKI: Marlies Gruber, Angelika Thon, Kerstin Pirker, Isolde Zaungast

 

Kurztexte zu den Bildern:

 

Die Vorstellung, dass moderne Frauen mir nichts, dir nichts in ihre Bikinis schlüpfen und sich an den Strand begeben, ist - gelinde gesagt - naiv. Bis auf Wimpern, Augenbrauen und Kopfhaar gilt jedes weitere Härchen als der natürliche Feind des Bikinis (Berger, 2004).

Um schön zu sein, soll eine Frau glatt und haarlos sein wie ein Kind, fettfrei und gerade wie ein Knabe, groß wie ein Mann, volle feste Brüste haben wie ein Mädchen und einen knackigen Männerpo (Posch, 1999).

Wir übrigen, deren glatte unauffällige Haut unsere Geheimnisse verbirgt, schauen rasch weg. Der Anblick ermahnt uns, wie es uns ergehen wird, wenn wir nicht fortwährend auf der Hut sind (Chapkins, 1986).

Man muss erst mal auf den Gedanken kommen, dass etwas, was man nie zu sehen bekommt, überhaupt existiert. Das ist das Wesen jeder Zensur (Drolshagen, 1995).

Von Frauen zu verlangen, dass sie ihre Körperhaare entfernen, kann als Kontrolle über ihre Sexualität gelesen werden. Sie soll wieder so ein wie ein kleines Mädchen, keine erwachsene Frau, die sexuell begehrt und bei Unlust ablehnt (Pirker, 2017).

 

 

Kati Bruder

 

"Das Subjekt ist immer ein begehrendes Subjekt. Das zu begehrende Objekt ist immer schon verloren." (eine der vier Grundannahmen des Psychoanalytikers Jacques Lacan).

 


Feedbacks von BesucherInnen:

 

--> Danke! Auf jeden Fall sehenswert. Gute Ausstellung mit einfachen Mitteln. Feminismus ist vielseitig :-)

 

--> Wow, super! Und wichtig - sich mit dem Tehma auseinanderzusetzen. Gute Arbeiten.

 

--> Sollte es mehr davon geben! Außerdem: Feminismus ist Menschenrecht!