JULIJE KNIFER

"ANTI-MALEREI"

"ANTI-PAINTING"

Eröffnung / Opening : 23.4.2021, 19.30 Uhr*

Rede / Speech : PETER PEER, Leiter Neue Galerie Graz

Begrüßung / Salutations : Dr. GÜNTER RIEGLER, Kulturstadtrat

Kuratierung / Curated by : ANA KNIFER & MUWA-TEAM

Ausstellung / Exhibition : 13.03.-27.08.2021

 

JULIJE KNIFER

„ANTI-MALEREI“

 

JULIJE KNIFER notierte 1976 in seinen Tagebüchern, er habe „durch einen Reduktionsprozess die Anti-Malerei erreichen“ wollen, und zwar durch „ultimative Kontraste und einen finalen Rhythmus“. Der Künstler verwehrte sich gegen, über das Visuelle hinausgehende Interpretation seiner Werke: „Es gibt zwei extreme Minimalwerte - die weiße und die schwarze Fläche. Zwischen diesen beiden Polen liegen Mäander oder vielleicht andere Formen. Ich habe mich für den Mäander entschieden. Aber das ist keine Frage der Wahl, sondern einfach ein bestimmter Prozess. Um diesen Rhythmus zu bekommen oder ihn zu erreichen, blieb ich beim Mäander stehen.” Durch die Reduktion von sich wiederholenden Horizontalen und Vertikalen in nahezu ausschließlich Weiß und Schwarz entstehe eine Monotonie, die ihm Freiheit verschaffe und einen Rhythmus erzeuge. Chronologie und Entwicklung hatten für KNIFER hingegen wenig Bedeutung: „Für mich spielt die Zeit eigentlich keine Rolle und es ist unerheblich, wann ein Bild entstanden ist. (…) Ich verspüre kein Bedürfnis nach Fortschritt, weder in Bezug auf Qualität noch auf Quantität.“

 

Wie für sein bildnerisches Schaffen legte KNIFER vergleichbare Regeln für das Schreiben fest. „Neutral und klar“, „pur und direkt“ sollten die Texte sein, ihren „Flow und Rhythmus“ haben. Seine bildnerischen Variationen der Mäanderform fanden ihre Entsprechung in immer wieder variiert formulierten Regeln zur Textgestaltung wie eben auch für sein bildnerisches Oeuvre. Wiederholung und Rhythmus prägten damit gleichermaßen seine Texte und bildnerischen Arbeiten.

 

Die Ausstellung im MUWA wird von ANA KNIFER, der Tochter des Künstlers, gemeinsam mit dem MUWA-Team kuratiert, und zeigt vorwiegend Serien, beispielsweise „Regeln und Emotionen“ (1979), bestehend aus 20 Graphit-Zeichnungen auf Papier und die vierteilige Acrylbilder-Serie „Poliptih“ (1976).

 

JULIJE KNIFERS Kunst ist erneut im Museum der Wahrnehmung MUWA zu sehen: 2014 hat der kroatische Künstler IGOR EŠKINJA in seiner Ausstellung QUIXOTE eine Malerei sowie mehrere Skizzen und Zeichnungen von KNIFER seinen Arbeiten dialogisch gegenüber gestellt.

 

Weitere Arbeiten des Künstlers sind in einer umfassenden Personale seit Dezember 2020 in der Neuen Galerie Graz am Universalmuseum Joanneum zu sehen, die in Kooperation mit dem Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in Zagreb stattfindet.

 

 

JULIJE KNIFER

"ANTI-PAINTING"

 

JULIJE KNIFER wrote in his diaries in 1976 that he wanted to "achieve anti-painting through a process of reduction", through "ultimate contrasts and a final rhythm". The artist refused any interpretation of his works going beyond the visual: „There are two extreme minimums - the white and the black surface. Between these two poles are meanders or maybe other shapes. I chose the meander. However this is not a matter of choice, but simply of certain process. In order to get that rhythm or reach it, I stopped at the meander." The reduction of repetitive horizontals and verticals in almost exclusively white and black creates a monotony that gave him freedom and generates a rhythm. Chronology and development, on the other hand, were hardly significant for KNIFER: "To me, in fact, time plays no role and it is irrelevant when a painting was made. (…) I feel no need for progress in terms of either quality nor quantity."

 

As for his pictorial work, KNIFER defined comparable rules for writing. The texts should be "neutral and clear", "pure and direct", having their "flow and rhythm". His pictorial variations on the meandering form found their counterpart in the rules for text formulation, which were repeatedly varied, as well as for his pictorial oeuvre. Repetition and rhythm thus characterised similarly his texts and pictorial works.

 

The exhibition at MUWA is curated by ANA KNIFER, the artist's daughter, together with the MUWA team, and shows mainly series, for example "Rules and Emotions" (1979), consisting of 20 graphite drawings on paper, and the four-part acrylic painting series "Poliptih" (1976).

 

JULIJE KNIFER's art can be seen again at the Museum of Perception MUWA: in 2014, Croatian artist IGOR EŠKINJA juxtaposed a painting and several sketches and drawings by KNIFER in dialogue with the works of his exhibition QUIXOTE.

 

Further works by the artist can be seen in a comprehensive personal exhibition since December 2020 in the Neue Galerie Graz, Universalmuseum Joanneum, which takes place in cooperation with the Museum for Modern and Contemporary Art in Zagreb.

JULIJE KNIFER wurde 1924 in Osijek geboren. Er studierte von 1951 bis 1957 an der Kunstakademie Zagreb. 1959 gründete er gemeinsam mit weiteren Künstlern die Gruppe GORGONA, die sich abseits traditioneller Kunst vorrangig für künstlerische Autonomie einsetzte und den internationalen Austausch suchte. JULIJE KNIFER entschied gegen Ende seines Studiums durch einen Reduktionsprozess, von nun an ausschließlich Mäander-Formen künstlerisch umzusetzen, vorwiegend in Schwarz-Weiß, nutzte dabei jedoch unterschiedliche Dimensionen und Techniken. Der Künstler arbeitete vorwiegend in Serien, schuf ein umfangreiches Oeuvre von Malereien, Zeichnungen sowie Illustrationen und verfasste überdies auch zahlreiche Texte. JULIJE KNIFER zählt zu den bedeutendsten kroatischen Künstler*innen, mit zahlreichen Ausstellungen in Kroatien, Deutschland, Italien und Frankreich. 1973 nahm er an vier Ausstellungen der Künstlerbewegung Nove Tendencije (Neue Tendenzen) in der Galerie für zeitgenössische Kunst in Zagreb teil. 2001 vertrat JULIJE KNIFER Kroatien auf der Biennale von Venedig. Das Museum of Contemporary Art in Zagreb widmete ihm 2014 eine große Retrospektive. 2017/2018 würdigte das Haus Konstruktiv Zürich den Künstler mit einer umfangreichen Einzelausstellung. Seine Werke sind in bedeutenden internationalen Sammlungen vertreten, u.a. im Museum of Modern Art in New York und im Centre Georges Pompidou in Paris. 2004 verstarb der Künstler in Paris. Den Nachlass betreut seine Tochter ANA KNIFER.

 

Dr. PETER PEER, geboren 1969 in Graz, studierte Kunstgeschichte an der Karl-Franzens-Universität in Graz und promovierte über österreichische Landschaftsmalerei im 19. Jahrhundert. Anschließend organisierte er Ausstellungen und arbeitete als kuratorischer Assistent im Stadtmuseum Graz und beim steirischen herbst. Seit 2000 ist er in der Neuen Galerie Graz am Universalmuseum Joanneum als wissenschaftlicher Mitarbeiter, seit 2006 daselbst als Kurator der Sammlungen Graphik und Fotografie tätig. Seit 2011 ist er Leiter der Abteilung Moderne und Zeitgenössische Kunst am Universalmuseum Joanneum (Neue Galerie Graz und Kunsthaus Graz). Seine Forschungs- und Publikationstätigkeit konzentriert sich auf Kunst vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart mit Schwerpunkten auf der Kunsttopographie Österreichs. Von 2004 bis 2019 nahm er Lehraufträge an der Karl-Franzens-Universität Graz vor allem zur österreichischen Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts wahr.


 

PRESSE-BERICHTE


 

*Aufgrund der aktuellen Lage hinsichtlich der Corona-Pandemie musste die ursprünglich für 12.3.2021 geplante Eröffnung mit Publikum auf den 23.4.2021 verschoben werden.

 

Hinweis: Das MUWA hätte mit der Eröffnung der Ausstellung JULIJE KNIFER am 11. September 2020 gleichzeitig sein Jubiläum "30 Jahre MUWA" gefeiert. Die ursprünglich von 12. September 2020 bis 26. Februar 2021 musste wegen der Corona-Pandemie verschoben werden.