GEGEN CORONA UND GEGEN DAS VERHINDERN VON KULTUR - DAS MUWA IST GESCHLOSSEN, ABER AKTIV !

                                                                                                  ab 3. November 2020

 

 

 

Mit dieser neuen Serie von Auftritten im Internet "GEGEN CORONA UND GEGEN DAS VERHINDERN VON KULTUR" will das Museum der Wahrnehmung MUWA Stellung beziehen zu überaus lästigen Begleiterscheinungen der Corona-Pandemie und dem Umstand, dass das MUWA anlässlich seines 30jährigen Bestehens die Verpflichtung empfindet, über das Zurückdrängen der Kultur etwas auszusagen. Wir tragen die Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Pandemie mit, müssen aber zugleich betonen, dass wir aus gesellschaftlicher Verantwortung und Freude an unserer Arbeit seit 30 Jahren arbeiten und einen Beitrag zu einem differenzierten, denk- und diskursanregenden Kulturangebot leisten, sodass uns das Zusperren von Kultur schmerzt, zumal wir seit acht Monaten alle uns übertragenen Anforderungen zur Eindämmung der Pandemie erfüllen.

 

Wir wollen aufmerksam machen, dass uns die Geschichte zeigt, wie rasch und wie nachhaltig große Kulturen plötzlich verschwinden; wie unerbittlich große Leistungen der Kultur wie beispielsweise Zeugnisse der Azteken-Kultur wie fortgeblasen erscheinen, ausgelöscht von Kriegen, Seuchen, Epidemien oder politisch fatalen Fehlern. So selbstverständlich uns Kultur erscheint, so einfach erscheint Verzicht auf Kultur zu sein, wie dies gerade jetzt deutlich wird. Wir sehen es wie viele Kulturschaffende als unsere Aufgabe, vor den mittel- und langfristigen Auswirkungen des Zurückdrängens von Kultur zu warnen.

 

Zu unseren Fotografien in der aktuell nicht zugänglichen Ausstellung WAHRNEHMUNG HOCH ZWEI aus der Zeit vor 30 Jahren: Zu sehen ist das einzigartige MUWA im Grazer Stadtpark mit seiner besonderen, von MANFRED HUSTY geplanten und verwirklichten Dachkonstruktion. Trotz finanziellem Pech – eine vom Bund zugesagte Subvention in der Höhe von einer Million Schilling konnte nicht ausbezahlt werden – und dem anschließenden Weggang aller Vereinsmitglieder – ausgenommen HANS PETER WÖLCHER und WERNER WOLF - ab dem Bekanntwerden der fehlenden finanziellen Unterstützung, entstand ein Laboratorium, das sich fernab von vorgefertigten Lösungen dem Fragenstellen, auch dem kritischen Hinterfragen, dem Austauschen und dem Reflektieren verschrieben hat – bis heute.

 

Dieses Laboratorium entsteht immer wieder gemeinsam durch die und im Austausch mit den Besucher*innen, basierend auf deren individuellem Hintergrund, wie Alter, Bildung, Beruf, etc. und sich entwickelnd aus der Wahrnehmung ihrer Erfahrungen anhand der Wahrnehmungsinstallationen und der Kunstausstellungen. Gesellschaftspolitische Veränderungen wirken sich auf die Lebenssituationen der Besucher*innen aus, deren Fragen/Fragestellungen ändern sich und haben Auswirkungen auf die gesellschaftspolitische Situation. Wir wollen Sorge tragen, für die künftigen Fragen von Besucher*innen Laborräume im Museum der Wahrnehmung MUWA bereitzustellen.

 

Eine Möglichkeit, wie dieses Laboratorium von morgen aussehen könnte, hat die junge Architektin INES ZAJKIC für ihre Diplomarbeit über das Museum der Wahrnehmung entwickelt. Ihr Modell des Ausbaus des MUWA im Untergrund des Augartens beinhaltet unterirdische Räume für Veranstaltungen oder auch Workshops. ZAJKIC konzipiert das oktogonale Bestandsgebäude in ihrer Skizze als Hinweis – entsprechend der Spitze des Eisberges nach dem gleichnamigen Modell - für die räumliche Erweiterung im Untergrund, unterstützt durch punktuell klar gesetzte, an der Größe eines erwachsenen Menschen dimensionierte Installationen und Spiegelöffnungen im Augarten, die wechselseitig Einblicke in das Museum wie auch Ausblicke in den Augarten ermöglichen.

 

Die außergewöhnliche, von HELMUT REITTER entwickelte Container-Architektur des MUWA im Stadtpark mit der besonderen Dachkonstruktion von MANFRED HUSTY könnten gemeinsam mit den Ideen von INES ZAJKIC Grundlage und Inspiration für weitere Planskizzen darstellen: Wie könnte das unterirdisch erweiterte MUWA alternativ aussehen / gestaltet werden? Welche ergänzenden Nutzungen zu Ausstellungs-, Workshop- und Depoträumlichkeiten wären denkbar? Wer könnten die Laborant*innen dieses spannenden „zeitlosen“ (Zitat SR Dr. GÜNTER RIEGLER) Projektes Museum der Wahrnehmung sein? Wir hoffen, dieses erweiterte Laboratorium im Untergrund mit Ideen von Architekt*innen, Unterstützung von Fördergeber*innen und Beteiligung von Bewohner*innen auf den Weg zur Realisierung zu bringen.