Lockdown III: 26. Dezember 2020 - 7. Februar 2021

Fortsetzung der Serie

GEGEN CORONA UND GEGEN DAS VERHINDERN VON KULTUR - DAS MUWA IST GESCHLOSSEN, ABER AKTIV !

Aufgrund der neuen Verordnung der österreichischen Bundesregierung zur Eindämmung von COVID-19 bleibt das MUWA voraussichtlich bis 9. 2. 2021 geschlossen.

 

 

FORTSETZUNG DER MUWA-SERIE "GEGEN CORONA UND GEGEN DAS VERHINDERN VON KULTUR" IM RAHMEN DER AKTUELLEN AUSSTELLUNG "WAHRNEHMUNG HOCH ZWEI" (8.)

 

Mit der im dritten Lockdown fortgesetzten Serie von Auftritten im Internet "GEGEN CORONA UND GEGEN DAS VERHINDERN VON KULTUR" will das Museum der Wahrnehmung MUWA Stellung beziehen zu überaus lästigen Begleiterscheinungen der Corona-Pandemie und dem Umstand, dass das MUWA anlässlich seines 30jährigen Bestehens die Verpflichtung empfindet, über das Zurückdrängen der Kultur etwas auszusagen. Wir tragen die Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Pandemie mit, müssen aber zugleich betonen, dass wir aus gesellschaftlicher Verantwortung und Freude an unserer Arbeit seit 30 Jahren arbeiten und einen Beitrag zu einem differenzierten, denk- und diskursanregenden Kulturangebot leisten, sodass uns das Zusperren von Kultur schmerzt, zumal wir seit mehr als acht Monaten alle uns übertragenen Anforderungen zur Eindämmung der Pandemie erfüllen.

 

Ein kurzer Einschub zu Samadhi und der MUWA-Geschichte sei gestattet: Entwickelt und konzipiert wurde das Samadhi-Bad unter dem Begriff "Samadhi-Tank" in über 20-jähriger Forschungsarbeit von dem amerikanischen Neuropsychologen Dr. John C. Lilly vom National Institute of Mental Health. Dr. Lilly war passionierter Wissenschaftler und Autor mehrerer Bücher. Anlass für die Entwicklung des Samadhi Tanks war ursprünglich die Erforschung der elektrischen Aktivität des Gehirns unter reizdeprivierten Bedingungen. Lilly wollte die in jener Zeit heiß diskutierte Frage klären, ob das menschliche Gehirn ohne Reize im Wachzustand verbleiben könne.

 

Der Samadhi-Tank im Museum der Wahrnehmung MUWA brachte zunächst ein wenig Probleme mit sich: zuerst wurde der Brauchwasser-Tank durch einen unpassenden Gebäude-Abschnitt transportiert, und deshalb in zwei Teile zerschnitten! Beim Zusammenfügen ergab sich, dass der Tank nunmehr undicht wurde und Salzwasser austrat! Dieses Salzwasser zerstörte dann das Grundmauerwerk des Gebäudes! Die Sanierung dieses Teils des Samadhi-Bades kostete viel Geld und erforderte insgesamt mehr als ein Jahr Schließung und die Errichtung eines alternativen Samadhi-Beckens. Aber nun ist es fast perfekt! Das heißt: Wenn es nach den Schließungen wegen der Corona-Epidemie wieder möglich sein wird.

 

Die Ausstellung WAHRNEHMUNG HOCH ZWEI anlässlich 30 Jahre MUWA zeigt unter anderem das Modell des Samadhi-Bades der Architektin ANNA POPELKA sowie eine Dokumentation der von PETER RANTASA und GEORG ZEITBLOM entwickelten und realisierten Konzertinstallation im Deprivations-Bad "bioadapter phase V" im MUWA im Rahmen des ORF musikprotokolls im steirischen herbst 2000. Die Besucher*innen konnten Termine vereinbaren, erhielten durch Assistent*innen eine Einführung, bekamen Sensoren zur Abnahme von Körpertönen wie Atem und Herzschlag angelegt und legten sich anschließend ins körperwarme, mit Sole gefüllte Becken, in dem sie einen Zustand weitgehender sensorischer Deprivation erlebten. RANTASA und ZEITBLOM entwickelten aus der Echtzeit-Bearbeitung der individuellen Körpertöne ein 30-minütiges Raster individueller Klangbänder, die den Besucher*innen über Unterwasserlautsprecher zugespielt wurden. Durch Bio-Feedback konnten die Besucher*innen die Klangstrukturen selbst beeinflussen und mitsteuern. Anschließend erhielten alle Besucher*innen eine CD mit der jeweils eigenen, einzigartigen Körpermusik.

Informationen zum Samadhi-Bad

 

 

 

GEGEN CORONA UND GEGEN

DAS VERHINDERN VON KULTUR (9.)

 

Mit dieser neuen Serie von Auftritten im Internet "GEGEN CORONA UND GEGEN DAS VERHINDERN VON KULTUR" will das Museum der Wahrnehmung MUWA Stellung beziehen zu überaus lästigen Begleiterscheinungen der Corona-Pandemie und dem Umstand, dass das MUWA anlässlich seines 30jährigen Bestehens die Verpflichtung empfindet, über das Zurückdrängen der Kultur etwas auszusagen.

 

Ein Blick zurück, in eine Zeit der Vorbereitung des Museums der Wahrnehmung MUWA und der Finanzierung vor allem ist ein Blick auf die fast groteske - aber versuchte - Verhinderung dieses unseres Vorhabens.

Da war zuerst das dankenswerte Angebot vom damaligen Stadtrat Messner an den Verein, das desolat gewordene "Tröpferbad" für kulturelle Angebote dieses Vereins um 200.000.- Schilling (d.s. etwa € 15.000.- ) als Hauptmieter zu überlassen. Wir waren begeistert - und zunächst ratlos! Denn: Mit dem zugesagten Geld konnten wir gerade die Verfießung im Hauptraum professionell beseitigen lassen. In unserer Ratlosigkeit aber zugleich unserer Gewissheit, das Umbauprojekt zu realisieren, suchten wir um Verbündete. Das war der Augenblick des grossen Schreckens, der maßlosen Enttäuschung und der totalen Verzweiflung über die Haltung einzelner Leute vor dem Modell dieses wunderbare Hauses, dieses achteckigen Rundbaus spätklassizistischer Architekur. Dieser von Arabesken umsäumten, auf den schmalen Grad der Bezogenheit auf das ich, dieser vom prächtigen Bau besehene Selbstbeschränktheit auf eine alle bestehenden gesellschaftlichen Klassen überwunden geglaubte Baukunst überwunden geglaubte Funktion!

Abriss! Schließung! aus Kostgründen wird der Bagger bestellt! Das Ende eines Traums! Das Ende?

 

Es kam anders. Die Unterstützung durch ein für drei Kunst-Gruppen bestehendes EU Projekt, ein Kunstprojekt von HARTMUT SKERBISCH sicherte die Kunstsektion, Bund, Land und Stadt Graz wirkten gemeinsam und das Bundesdenkmalamt nahmen uns den großen Schrecken und sicherten allen Beteiligten und allen Besuchern die große Erleichterung eines gelungen Umau-Projektes MUWA.

 

Der Grazer Altbürgermeister ALFRED STINGL sagte dazu:“... dass das MUWA und auch die Rettung des OKTOGONS ohne Deine Phantasie, Kreativität, künstlerische Emphatie und Zielstrebigkeit nicht möglich gewesen wären. Mit einem öffentlichen Dank gehörst Du vor den Vorhang “! Das schrieb ALFRED STINGL einem Brief an das Museum der Wahrnehmung MUWA und dessen Leiter WERNER WOLF.

 

Doch zurück zum Hauptthema dieser Tage: Wir tragen auch die jetzt verschärften Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Pandemie mit, müssen aber zugleich betonen, dass wir aus gesellschaftlicher Verantwortung und Freude an unserer Arbeit seit 30 Jahren arbeiten und einen Beitrag zu einem differenzierten, denk- und diskursanregenden Kulturangebot leisten, sodass uns das Zusperren von Kultur schmerzt, zumal wir seit acht Monaten alle uns übertragenen Anforderungen zur Eindämmung der Pandemie erfüllen.

Wir wollen aufmerksam machen, dass uns die Geschichte zeigt, wie rasch und wie nachhaltig große Kulturen plötzlich verschwinden; wie unerbittlich große Leistungen der Kultur wie beispielsweise Zeugnisse der Azteken-Kultur wie fortgeblasen erscheinen, ausgelöscht von Kriegen, Seuchen, Epidemien oder politisch fatalen Fehlern.

 

So selbstverständlich uns Kultur erscheint, so einfach erscheint Verzicht auf Kultur zu sein, wie dies gerade jetzt deutlich wird. Wir sehen es wie viele Kulturschaffende als unsere Aufgabe, vor den mittel- und langfristigen Auswirkungen des Zurückdrängens von Kultur zu warnen.

 

 

 

GEGEN CORONA UND GEGEN

DAS VERHINDERN VON KULTUR (10.)

 

Mit dieser neuen Serie von Auftritten im Internet "GEGEN CORONA UND GEGEN DAS VERHINDERN VON KULTUR" will das Museum der Wahrnehmung MUWA Stellung beziehen zu überaus lästigen Begleiterscheinungen der Corona-Pandemie und dem Umstand, dass das MUWA anlässlich seines 30jährigen Bestehens die Verpflichtung empfindet, über das Zurückdrängen der Kultur etwas auszusagen.

 

Ein Überflug zu einem anderen und wichtigen Thema ist uns gestattet: Zur Einführung in seine Eröffnungsrede sprach Dr. DIETER BOGNER, Museumsplaner und Sammler, in dessen Schloss Buchberg die Künstlerin DÓRA MAURER 1982 einen der vielen Gewölbe-Räume gestaltete, ein gewichtiges Wort zu einmaligen Architektur des Museums der Wahrnehmung MUWA und der kreisförmigen Anordnung des großen Ausstellungsraumes aus:

„Ich habe vorhin gesagt, als ich mit dem Vermittlungsteam des MUWA eine Besprechung hatte, dass es für mich vorher, als ich alleine da war, noch viel besser war. Gehen Sie allein durch! Wenn Sie von dieser Seite hereinkommen, hier herumgehen und dann quasi von dort das Werk erschließen, in einem zweiten Durchgang, werden Sie sehen: Es ist das gleiche Werk und doch etwas anderes. Weil der Bewegungsfluss, den Sie zwangsläufig vollführen, ein anderer ist. Kommen Sie von der anderen Seite, stehen Sie hier vor einem großen Teil des Werkes und gehen Sie dann weiter. Wenn Sie von dieser Seite aus gehen, sehen Sie erst drei Elemente, die anderen schräg, und wenn Sie dann so ganz langsam die Kante des Raumes nehmen, dann kommt ein Element nach dem anderen, quasi lesbar wie eine Partitur. Es sind zwei Lesearten, die durch ihre unterschiedliche Bewegung zwei Perspektiven auf die gleiche Sache ermöglichen."

 

Doch zurück zum Hauptthema dieser Tage: Wir tragen auch die jetzt verschärften Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Pandemie mit, müssen aber zugleich betonen, dass wir aus gesellschaftlicher Verantwortung und Freude an unserer Arbeit seit 30 Jahren arbeiten und einen Beitrag zu einem differenzierten, denk- und diskursanregenden Kulturangebot leisten, sodass uns das Zusperren von Kultur schmerzt, zumal wir seit acht Monaten alle uns übertragenen Anforderungen zur Eindämmung der Pandemie erfüllen.

Wir wollen aufmerksam machen, dass uns die Geschichte zeigt, wie rasch und wie nachhaltig große Kulturen plötzlich verschwinden; wie unerbittlich große Leistungen der Kultur wie beispielsweise Zeugnisse der Azteken-Kultur wie fortgeblasen erscheinen, ausgelöscht von Kriegen, Seuchen, Epidemien oder politisch fatalen Fehlern.

 

So selbstverständlich uns Kultur erscheint, so einfach erscheint Verzicht auf Kultur zu sein, wie dies gerade jetzt deutlich wird. Wir sehen es wie viele Kulturschaffende als unsere Aufgabe, vor den mittel- und langfristigen Auswirkungen des Zurückdrängens von Kultur zu warnen.

 

 

 

"FRANZ SCHUH IM MUWA"

GEGEN CORONA UND GEGEN

DAS VERHINDERN VON KULTUR (11.)

 

Mit dieser neuen Serie von Auftritten im Internet "GEGEN CORONA UND GEGEN DAS VERHINDERN VON KULTUR" will das Museum der Wahrnehmung MUWA Stellung beziehen zu überaus lästigen Begleiterscheinungen der Corona-Pandemie und dem Umstand, dass das MUWA anlässlich seines 30jährigen Bestehens die Verpflichtung empfindet, über das Zurückdrängen der Kultur etwas auszusagen.

 

Heute ist es ein völlig anders gerichteter - etwas längerer - Einschub, ein literarischer Beitrag von Wiener Literaten FRANZ SCHUH und dem Museum der Wahrnehmung MUWA, den wir zu lesen empfehlen "Bei meinem letzten Aufenthalt in Graz – es war ein paar Tage nach dem Tod meines Vaters – ging ich zur Mittagszeit in den Stadtpark; ich setzte mich auf eine Bank vor dem Teich. Es war einer der ersten, an den Sommer schon erinnernden Frühlingstage. Auf meiner Haut spürte ich die Wärme, und meine Seele war frei, denn in Graz hatte ich schon gestern meine Arbeit erledigt. Heute wollte ich nur noch, wie immer in Graz, ins Museum der Wahrnehmung gehen – erstens, weil es im Gebäude eines ehemaligen Tröpferlbades untergebracht ist, also in einer städtischen Badeanstalt, in die früher Menschen gingen, die wie meine Eltern und ich zu Hause keine Dusche hatten.

 

Ich habe von damals noch ein ganzes Glücksgefühl des Geduschtseins an mir, aber ich weiß nicht, ob es stimmt, dass das Wasser erst dann floß, wenn man auf ein Brett trat, das in der Mitte der Duschkabine angebracht war. Ich habe jedenfalls keine Armaturen in Erinnerung.

 

Und zweitens gehe ich in Graz immer auch ins Museum der Wahrnehmung, weil mich ein Text darüber anspricht: „Wenn Sie im klagerfüllten Raum verblüffende Inseln der Stille entdecken, wenn vor ihren Augen Personen und Gegenstände unsichtbar werden und Sie lernen, mit der Oberfläche Ihrer Haut zu sehen, dann haben Sie den Schritt in eines der außergewöhnlichsten Museen des Landes gewagt.“

 

Das ist fein (schreibt Schuh weiter), und wenn ich nicht mit dem Bus der Linien 30 bis 34 fahre, gehe ich in aller Ruhe vom Jakominiplatz über die Radetzkystraße in Richtung Mur-Fluß, biege dann links ab in die Friedrichgasse und stehe bei Nr. 41 vor meinem Museum und denke, eine liebe Gewohnheit, daran, was aus einem Tröpferlbad und einem seiner ehemaligen Besucher werden kann.

 

Unter dem Titel „Im Museum der Wahrnehmung“ schließt Franz Schuh mit dem Sätzen: Ich habe mich oft gefragt, was passiert denn mit all den Eindrücken, die im Laufe eines Lebens durch das Bewusstsein von Menschen, die gestorben sind, wie soll man sagen, gingen? Schossen? Was passiert damit? Ja, Sinneseindrücke, Wahrnehmungen sind flüchtig. Man hinterläßt sie nicht wie Tische, Stühle, Bankomatkarten und Schulden. Ich behaupte, so etwas wie die Literatur – man lese in dieser Hinsicht vor allem Proust – ist eine eindrucksvolle Wahrnehmungskonserve. Das größte Museum der Wahrnehmung, behaupte ich, ist die Sprache selbst. Ihre Stärke als Museum gewinnt die Sprache dadurch, daß sie keineswegs nur museale Funktionen hat; sie hat eine eigene Vitalität, die jedoch auch vergangenen Sinneseindrücken beisteht, wenn ein Mensch sie schriftlich in seiner Erinnerung festhalten möchte."

 

(Auszüge aus „Franz Schuh: Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche“, dtv Verlag München, Lizenz des Paul Zsolney Verlages Wien 2006) 

 

Doch zurück zum Hauptthema dieser Tage: Wir tragen auch die jetzt verschärften Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Pandemie mit, müssen aber zugleich betonen, dass wir aus gesellschaftlicher Verantwortung und Freude an unserer Arbeit seit 30 Jahren arbeiten und einen Beitrag zu einem differenzierten, denk- und diskursanregenden Kulturangebot leisten, sodass uns das Zusperren von Kultur schmerzt, zumal wir seit acht Monaten alle uns übertragenen Anforderungen zur Eindämmung der Pandemie erfüllen.

 

Wir wollen aufmerksam machen, dass uns die Geschichte zeigt, wie rasch und wie nachhaltig große Kulturen plötzlich verschwinden; wie unerbittlich große Leistungen der Kultur wie beispielsweise Zeugnisse der Azteken-Kultur wie fortgeblasen erscheinen, ausgelöscht von Kriegen, Seuchen, Epidemien oder politisch fatalen Fehlern.

 

So selbstverständlich uns Kultur erscheint, so einfach erscheint Verzicht auf Kultur zu sein, wie dies gerade jetzt deutlich wird. Wir sehen es wie viele Kulturschaffende als unsere Aufgabe, vor den mittel- und langfristigen Auswirkungen des Zurückdrängens von Kultur zu warnen.

 

 

 

"HEINZ VON FOERSTER IM MUWA"

GEGEN CORONA UND GEGEN

DAS VERHINDERN VON KULTUR (12.)

 

Mit dieser neuen Serie von Auftritten im Internet "GEGEN CORONA UND GEGEN DAS VERHINDERN VON KULTUR" will das Museum der Wahrnehmung MUWA Stellung beziehen zu überaus lästigen Begleiterscheinungen der Corona-Pandemie und dem Umstand, dass das MUWA anlässlich seines 30jährigen Bestehens die Verpflichtung empfindet, über das Zurückdrängen der Kultur etwas auszusagen.

 

Die Nummer zwölf dieser Serie des Museums der Wahrnehmung MUWA ist zugleich Anlass für eine außergewöhnliche Erinnerung, ein Gedenken an die Eröffnungsrede des Wiener Kybernetikers, des in Pescadero lebenden HEINZ VON FOERSTER, welche er am 26. Oktober 1996 dem Staatsfeiertag, im Museum der Wahrnehmung MUWA in persönlicher Anwesenheit vor einem begeisterten Publikum - den Rahmen fast sprengende Zahl von BesucheriInnen - hielt, und zwar unter dem weitreichenden Titel "HEINZ VON FOERSTER, TAUFREDE". Die Rede ist in dem MUWA-Buch "WAHR IST VIEL MEHR" enthalten. HEINZ VON FOERSTER ist im Jahre 2002 verstorben.

 

"Das ist die Taufrede, die ich für dieses Baby, dieses entzückende, char­mante, wohl gelungene, starke, zappelnde Baby reden darf. Ich muss ja gestehen, dass – schon lange bevor das Museum in Kraft getreten ist – ich in einem Zeitungsartikel gelesen habe, dass Graz ein Museum der Wahrnehmung zu bauen plant. Da dachte ich: Donnerwetter, die verste­hen was! Gewöhnlich hat man doch ein Museum, um ausgestopfte Vögel oder Knochen von Dinosauriern wahrzunehmen, aber sich mit dem Wahr­nehmen selbst zu beschäftigen, dazu gehört natürlich ein gewisser Mut. Also dass wir Wahrnehmen wahrnehmen dürfen in einem Museum, das ist natürlich ein unerhörter Fortschritt. Wie dann plötzlich die Einla­dung vor ein paar Monaten gekommen ist, ich soll da die Taufrede hal­ten, war ich natürlich entzückt, habe sofort zugesagt und bin mit dem Flugzeug hier hergekommen, hierher gesprungen, angekommen. Also Sie können sehen, ich fühle mich hier wie zuhause, ich fühle mich wie ein Mitglied dieser Gruppe hier, weil ich schon lange mein Herz in diese Richtung geworfen habe. Also bitte nehmen Sie jetzt die paar Worte, die ich sprechen werde, als einen Versuch einer Taufrede für dieses stramme Baby."

 

Doch zurück zum Hauptthema dieser Tage: Wir tragen auch die jetzt verschärften Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Pandemie mit, müssen aber zugleich betonen, dass wir aus gesellschaftlicher Verantwortung und Freude an unserer Arbeit seit 30 Jahren arbeiten und einen Beitrag zu einem differenzierten, denk- und diskursanregenden Kulturangebot leisten, sodass uns das Zusperren von Kultur schmerzt, zumal wir seit acht Monaten alle uns übertragenen Anforderungen zur Eindämmung der Pandemie erfüllen.

 

Wir wollen aufmerksam machen, dass uns die Geschichte zeigt, wie rasch und wie nachhaltig große Kulturen plötzlich verschwinden; wie unerbittlich große Leistungen der Kultur wie beispielsweise Zeugnisse der Azteken-Kultur wie fortgeblasen erscheinen, ausgelöscht von Kriegen, Seuchen, Epidemien oder politisch fatalen Fehlern.

 

So selbstverständlich uns Kultur erscheint, so einfach erscheint Verzicht auf Kultur zu sein, wie dies gerade jetzt deutlich wird. Wir sehen es wie viele Kulturschaffende als unsere Aufgabe, vor den mittel- und langfristigen Auswirkungen des Zurückdrängens von Kultur zu warnen.

 

 

 

"GERT JONKE IM MUWA"

GEGEN CORONA UND GEGEN

DAS VERHINDERN VON KULTUR (13.)

 

Mit dieser neuen Serie von Auftritten im Internet "GEGEN CORONA UND GEGEN DAS VERHINDERN VON KULTUR" will das Museum der Wahrnehmung MUWA Stellung beziehen zu überaus lästigen Begleiterscheinungen der Corona-Pandemie und dem Umstand, dass das MUWA anlässlich seines 30jährigen Bestehens die Verpflichtung empfindet, über das Zurückdrängen der Kultur etwas auszusagen.

 

Ein Einschub anderer Art:

GERT JONKE (1946 - 2009), Lesung anlässlich des Jubiläums 10 Jahre Museum der Wahrnehmung MUWA im Oktogon am 26. Oktober 2006. (Text: Aus dem Buch "WAHR IST VIEL MEHR")

"Lieber Werner, du hast Geburtstag und ich möchte dir alles Gute zu deinem Geburtstag wünschen. Und da es sich für einen Geburtstag gehört, dass man jemand ein Gedicht aufsagt, werde ich versuchen, drei Gedichte aufzusagen! (Und zum Ende:) "Zum Abschluss möchte ich noch etwas Persönliches erzählen: Ich weiß nicht mehr, ob ich den Werner Wolf früher wahrgenommen habe oder er mich. Ich weiß nur, dass ich in einem Schlosshof gesessen bin und einen Mann beobachtet habe, der mit einem Assistenten, eine steile Stiege hinauf, einen halben Nachmittag lang, unglaubliche viele, in entweder Pappendeckel oder in Holzkisten verpackte, große Bilder, die, wie ich später erfuhr, von einem ganz berühmten Menschen gewesen sein sollen, hinaufgetragen hat und auch noch andere Dinge, um dort oben – wie ich mir gedacht habe – eine Ausstellung oder so etwas Ähnliches zu eröffnen. Ich habe ihn gesehen und irgendwer hat mir gesagt, das sei Herr Werner Wolf. Ich habe mir gedacht, mein Gott, so jemand wie ihn hätte ich gerne als Mitarbeiter. Ich bin ja immer ganz allein und das wäre wunderbar.

 

Am selben späteren Nachmittag oder Abend habe dann ich – und da hat dann der Werner Wolf mich das erste Mal wahrgenommen – sehr lange, den halben Abend über einen Seiltänzer referiert, der - ohne Netz sowieso auftritt - aber der, nachdem er das Seil betritt, dann plötzlich durch irgendein Fußklinken mit der Ferse veranlasst, dass sich das Seil von selber ausklinkt. Das Seil, auf dem er wandert, verwandelt sich in eine Art Riesenschlange, wickelt sich um ihn herum und während der abstürzt, wird ihm unten deshalb kein Haar gekrümmt, weil ihn das Seil eingewickelt hat wie ein Kokon einer Seidenspinne die Larve des künftigen Schmetterlings. Und der Künstler, der Seiltänzer ist jetzt einfach dabei, mit der Entfesselungsnummer zu beginnen. Irgendwie habe ich mir damals gedacht, dass diese Manege wahrscheinlich deshalb so gut hergerichtet war, weil deine Hände im Spiel waren. Dankeschön!"

 

Doch zurück zum Hauptthema dieser Tage: Wir tragen auch die jetzt verschärften Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Pandemie mit, müssen aber zugleich betonen, dass wir aus gesellschaftlicher Verantwortung und Freude an unserer Arbeit seit 30 Jahren arbeiten und einen Beitrag zu einem differenzierten, denk- und diskursanregenden Kulturangebot leisten, sodass uns das Zusperren von Kultur schmerzt, zumal wir seit acht Monaten alle uns übertragenen Anforderungen zur Eindämmung der Pandemie erfüllen.

Wir wollen aufmerksam machen, dass uns die Geschichte zeigt, wie rasch und wie nachhaltig große Kulturen plötzlich verschwinden; wie unerbittlich große Leistungen der Kultur wie beispielsweise Zeugnisse der Azteken-Kultur wie fortgeblasen erscheinen, ausgelöscht von Kriegen, Seuchen, Epidemien oder politisch fatalen Fehlern.

 

So selbstverständlich uns Kultur erscheint, so einfach erscheint Verzicht auf Kultur zu sein, wie dies gerade jetzt deutlich wird. Wir sehen es wie viele Kulturschaffende als unsere Aufgabe, vor den mittel- und langfristigen Auswirkungen des Zurückdrängens von Kultur zu warnen.

 

 

 

"ALFRED KOLLERITSCH IM MUWA"

GEGEN CORONA UND GEGEN

DAS VERHINDERN VON KULTUR (14.)

 

Mit dieser neuen Serie von Auftritten im Internet "GEGEN CORONA UND GEGEN DAS VERHINDERN VON KULTUR" will das Museum der Wahrnehmung MUWA Stellung beziehen zu überaus lästigen Begleiterscheinungen der Corona-Pandemie und dem Umstand, dass das MUWA anlässlich seines 30jährigen Bestehens die Verpflichtung empfindet, über das Zurückdrängen der Kultur etwas auszusagen.

 

Ein Einschub: ALFRED KOLLERITSCH (1931 - 2020), der Grazer und der Schriftsteller, schrieb einen Text, den er "Eine neue Haut" nannte und den er dem Museum der Wahrnehmung MUWA auch als Bild überließ.

 

"Der runde Badetempel im Augarten, die Treppe hinan, als Kind erlebte ich das Betreten als eine feierliche Aufnahme im Fremden. Vom Land mit zehn Jahren in die Stadt kommend, kannte ich bislang das Wasser der Teiche, der Gräben, des Regens, der Brunnen. Mit runden Eimern trug die Mutter das Wasser vom Brunnen herbei, erhitzte und schüttete es in die runde Badewanne, die in der Mitte der Küche stand. Das Wasser reinigte, entfernte etwas, das wir uns im Sommer gerne vom Teichwasser schenken ließen – eine neue Haut. In Graz ging es um die Reinlichkeit, um ein Abstraktum. Man musste rein sein, abgeschrubbt, um durchschaubar zu sein, hüllenlos, ohne eignes Zeichen.

 

Einmal in der Woche hatte die Tante Josef zur vollkommenen Körperreinigung in dieses Bad geschickt. Meist badeten hier Soldaten und alte Menschen. Man wartete in einem Vorraum, bis man aufgerufen wurde und eine Kabine zugewiesen bekam. Wenn sich im Umkleideraum die Soldaten die Uniformen auszogen und einer nach dem anderen nackt dastand, erlebte Josef das Abstreifen eines Trugbildes, einer Verzerrung, ein Nein ging über in ein Ja, in eine Wiederkehr, als seien die nackten Leiber aus der Geschichte herausgestiegen und kehrten heim. Je öfter Josef das Bad besuchte, desto unentbehrlicher wurde es für ihn. In der Kabine hockte er sich unter die Dusche und ließ das Wasser herabströmen und sich umhüllen. Das Wasser ließ ihn das Bedrängende vergessen. Es war dann nichts da, sich anzukrallen, nicht die Zukunft, nicht die Vergangenheit, nicht die Gegenwart. Die Leere kehrte sich zu. Das kleine Glück des Knaben, nur sich und die Welt zu empfinden.

 

Er nahm stets feierlichen Abschied vom Bad. Während ihn das Wasser vom Kopf aus mit einem Schleier einhüllte, beobachtete er das Wegfließen. Kreisend verschwand das Wasser im Loch, dessen Rand mit gelbem Kalk verkrustet war. Es waren erste lustvoll erlebte Abschiede." (Quelle: Alfred Kolleritsch: Eine neue Haut. In: Vom Badehaus zum Kunsthaus. Zur Geschichte des Hauses Friedrichgasse 41. Graz: MUWA 2001, S. 5-6)

 

Doch zurück zum Hauptthema dieser Tage: Wir tragen auch die jetzt verschärften Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Pandemie mit, müssen aber zugleich betonen, dass wir aus gesellschaftlicher Verantwortung und Freude an unserer Arbeit seit 30 Jahren arbeiten und einen Beitrag zu einem differenzierten, denk- und diskursanregenden Kulturangebot leisten, sodass uns das Zusperren von Kultur schmerzt, zumal wir seit acht Monaten alle uns übertragenen Anforderungen zur Eindämmung der Pandemie erfüllen.

 

Wir wollen aufmerksam machen, dass uns die Geschichte zeigt, wie rasch und wie nachhaltig große Kulturen plötzlich verschwinden; wie unerbittlich große Leistungen der Kultur wie beispielsweise Zeugnisse der Azteken-Kultur wie fortgeblasen erscheinen, ausgelöscht von Kriegen, Seuchen, Epidemien oder politisch fatalen Fehlern.

 

So selbstverständlich uns Kultur erscheint, so einfach erscheint Verzicht auf Kultur zu sein, wie dies gerade jetzt deutlich wird. Wir sehen es wie viele Kulturschaffende als unsere Aufgabe, vor den mittel- und langfristigen Auswirkungen des Zurückdrängens von Kultur zu warnen.

 

 

Sämtliche, bis dato veröffentlichte Folgen der Serie können Sie weiter unten nachlesen!


                                              Lockdown II: 3. November 2020 - 8. Dezember 2020

 

GEGEN CORONA UND GEGEN DAS VERHINDERN VON KULTUR - DAS MUWA IST GESCHLOSSEN, ABER AKTIV !

Aufgrund der Verordnung der österreichischen Bundesregierung zur Eindämmung von COVID-19 war das MUWA von 3.11. bis 8.12.2020 geschlossen.                                                               

 

 

Mit dieser neuen Serie von Auftritten im Internet "GEGEN CORONA UND GEGEN DAS VERHINDERN VON KULTUR" will das Museum der Wahrnehmung MUWA Stellung beziehen zu überaus lästigen Begleiterscheinungen der Corona-Pandemie und dem Umstand, dass das MUWA anlässlich seines 30jährigen Bestehens die Verpflichtung empfindet, über das Zurückdrängen der Kultur etwas auszusagen. Wir tragen die Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Pandemie mit, müssen aber zugleich betonen, dass wir aus gesellschaftlicher Verantwortung und Freude an unserer Arbeit seit 30 Jahren arbeiten und einen Beitrag zu einem differenzierten, denk- und diskursanregenden Kulturangebot leisten, sodass uns das Zusperren von Kultur schmerzt, zumal wir seit acht Monaten alle uns übertragenen Anforderungen zur Eindämmung der Pandemie erfüllen.

 

Wir wollen aufmerksam machen, dass uns die Geschichte zeigt, wie rasch und wie nachhaltig große Kulturen plötzlich verschwinden; wie unerbittlich große Leistungen der Kultur wie beispielsweise Zeugnisse der Azteken-Kultur wie fortgeblasen erscheinen, ausgelöscht von Kriegen, Seuchen, Epidemien oder politisch fatalen Fehlern. So selbstverständlich uns Kultur erscheint, so einfach erscheint Verzicht auf Kultur zu sein, wie dies gerade jetzt deutlich wird. Wir sehen es wie viele Kulturschaffende als unsere Aufgabe, vor den mittel- und langfristigen Auswirkungen des Zurückdrängens von Kultur zu warnen.

 

Zu unseren Fotografien in der aktuell nicht zugänglichen Ausstellung WAHRNEHMUNG HOCH ZWEI aus der Zeit vor 30 Jahren: Zu sehen ist das einzigartige MUWA im Grazer Stadtpark mit seiner besonderen, von MANFRED HUSTY geplanten und verwirklichten Dachkonstruktion. Trotz finanziellem Pech – eine vom Bund zugesagte Subvention in der Höhe von einer Million Schilling konnte nicht ausbezahlt werden – und dem anschließenden Weggang aller Vereinsmitglieder – ausgenommen HANS PETER WÖLCHER und WERNER WOLF - ab dem Bekanntwerden der fehlenden finanziellen Unterstützung, entstand ein Laboratorium, das sich fernab von vorgefertigten Lösungen dem Fragenstellen, auch dem kritischen Hinterfragen, dem Austauschen und dem Reflektieren verschrieben hat – bis heute.

 

Dieses Laboratorium entsteht immer wieder gemeinsam durch die und im Austausch mit den Besucher*innen, basierend auf deren individuellem Hintergrund, wie Alter, Bildung, Beruf, etc. und sich entwickelnd aus der Wahrnehmung ihrer Erfahrungen anhand der Wahrnehmungsinstallationen und der Kunstausstellungen. Gesellschaftspolitische Veränderungen wirken sich auf die Lebenssituationen der Besucher*innen aus, deren Fragen/Fragestellungen ändern sich und haben Auswirkungen auf die gesellschaftspolitische Situation. Wir wollen Sorge tragen, für die künftigen Fragen von Besucher*innen Laborräume im Museum der Wahrnehmung MUWA bereitzustellen.

 

Eine Möglichkeit, wie dieses Laboratorium von morgen aussehen könnte, hat die junge Architektin INES ZAJKIC für ihre Diplomarbeit über das Museum der Wahrnehmung entwickelt. Ihr Modell des Ausbaus des MUWA im Untergrund des Augartens beinhaltet unterirdische Räume für Veranstaltungen oder auch Workshops. ZAJKIC konzipiert das oktogonale Bestandsgebäude in ihrer Skizze als Hinweis – entsprechend der Spitze des Eisberges nach dem gleichnamigen Modell - für die räumliche Erweiterung im Untergrund, unterstützt durch punktuell klar gesetzte, an der Größe eines erwachsenen Menschen dimensionierte Installationen und Spiegelöffnungen im Augarten, die wechselseitig Einblicke in das Museum wie auch Ausblicke in den Augarten ermöglichen.

 

Die außergewöhnliche, von HELMUT REITTER entwickelte Container-Architektur des MUWA im Stadtpark mit der besonderen Dachkonstruktion von MANFRED HUSTY könnten gemeinsam mit den Ideen von INES ZAJKIC Grundlage und Inspiration für weitere Planskizzen darstellen: Wie könnte das unterirdisch erweiterte MUWA alternativ aussehen / gestaltet werden? Welche ergänzenden Nutzungen zu Ausstellungs-, Workshop- und Depoträumlichkeiten wären denkbar? Wer könnten die Laborant*innen dieses spannenden „zeitlosen“ (Zitat SR Dr. GÜNTER RIEGLER) Projektes Museum der Wahrnehmung sein? Wir hoffen, dieses erweiterte Laboratorium im Untergrund mit Ideen von Architekt*innen, Unterstützung von Fördergeber*innen und Beteiligung von Bewohner*innen auf den Weg zur Realisierung zu bringen. 

 


Lockdown I: 16. März bis 17. Mai 2020

 

Im Rahmen des ersten Lockdowns und der damit verbundenen verordneten Schließung aller Museen im Frühjahr 2020 startete das MUWA eine "Katalog-Serie im Netz" und lud mit Bildern und Texten zu einem virtuellen Rundgang durch die damals gezeigte Ausstellung von JAROMÍR NOVOTNÝ im Museum der Wahrnehmung MUWA!