Kunstausstellung

JAROMÍR NOVOTNÝ "SLOW GESTURES"

 

Einführung:

Dr.in BRITTA E. BUHLMANN, Direktorin des mpk Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (www.mpk.de)

 

courtesy hunt kastner, Prague

 

Tipp: Die Ausstellung im Netz

Aufgrund der aktuellen Situation COVID-19 betreffend zeigen wir Ihnen hier und auf den facebook-Seiten https://www.facebook.com/werner.wolf.397 / https://www.facebook.com/MUWA.Museum.der.Wahrnehmung/ laufend neue Bilder der derzeit leider nicht zugänglichen Ausstellung des tschechischen Künstlers JAROMÍR NOVOTNÝ!

 

„Katalog-Serie im Netz"
Anstelle eines analogen Rundgangs durch die derzeit geschlossene Ausstellung laden wir Sie hier zum virtuellen Spaziergang durch Bilder und Texte zur aktuellen Ausstellung JAROMÍR NOVOTNÝ im Museum der Wahrnehmung MUWA! Die gesamte Serie und weitere Meldungen finden Sie auch auf https://www.facebook.com/werner.wolf.397

 

In Bälde werden wir Ihnen auch einen Link zur Eröffnungsrede von Dr.in BRITTA BUHLMANN übermitteln können, die wir aufgenommen haben. Und Sie werden die Rede ebenso in schriftlicher Form in nächster Zeit über die Website nachlesen können!

Bei Fragen kontaktieren Sie uns unter muwa@muwa.at!

 

Informationen zum Künstler finden Sie u.a. auf seiner Website www.jaromirnovotny.com

Eine Ausstellung in Kooperation mit der Galerie hunt kastner Prag http://huntkastner.com/artists/jaromir-novotny

 

 

Zum Werk Nr. 4 der Ausstellung von JAROMÍR NOVOTNÝ, das diesmal im Fokus steht, führt BRITTA E. BUHLMANN folgendes aus:

"Aus gefundenen Holzstücken (auch dies ein Verweis auf gelebte Geschichte und Zeit) fertigte der Künstler einen, mit einer horizontalen Mittelachse verstärkten, Rahmen. Er bespannte ihn mit synthetischem Organza. Der Stoff liegt wie eine zarte Haut auf dem Rahmen. In den Raum zwischen diesen beiden Elementen schob Novotný eine schwarze Glasplatte. Ihre scharfen Ränder können den feinen Stoff leicht beschädigen. Sich auf diese Kombination einzulassen bedeutet, die weiße Fläche als verwundbar wahrzunehmen und die Spannung zu fühlen, die nicht allein durch den farbigen Kontrast der ins Verhältnis gesetzten Flächen entsteht, sondern auch durch die Fragilität - sowohl der „gefährlichen“ Glasplatte als auch der gefährdeten Bildhaut, sprich Fläche. Um dieser ausreichend Raum zu lassen, präsentiert Novotný das Bild mit einem Abstand von ca. 6 cm vor der eigentlichen Wand. Die Elemente haben Luft, können in diesem Raum ihre Wirkung entfalten. Doch auch das Prekäre der Situation wird deutlich. Der Druck der Glasscheibe ruht alleine auf dem weichen Gewebe der Bildfläche. Er wird nicht durch die Festigkeit der Wand abgefangen."

 

Das hier abgebildete dritte, 2019 entstandene Werk von insgesamt elf im MUWA präsentierten Arbeiten zeigt in vielen Details die Besonderheiten wie die Veränderung im Licht, die aufsaugende Bildwirkung bezüglich der Rahmung, die Bodenlosigkeit der Gesamtkonstruktion und Berührungsqualität der Oberflächen.


 

JAROMÍR NOVOTNÝ

"SLOW GESTURES"

 

JAROMÍR NOVOTNÝ zeigt in seiner Ausstellung „SLOW GESTURES“ im Museum der Wahrnehmung MUWA Arbeiten, die im Zeitraum von 2012 bis 2020 entstanden sind. In der gegenstandslosen Malerei des tschechischen Künstlers hat die sparsame Verwendung von Materialien besondere Bedeutung. Seine zumeist monochromen Bilder, von matter bis zu hoch glänzender Oberfläche, weisen feine Farbnuancen auf und sind in vielen Abstufungen durchscheinend bis gänzlich deckend, da der Künstler seit mehreren Jahren synthetischen Organza, ein transparentes, schimmerndes Gewebe, als Trägermaterial verwendet.

 

Die Reduktion an Materialien fordert ein konzentriertes Beobachten, ein visuelles Abwandern der Oberfläche, ein Ausmachen von Tiefe und Dichte durch Annäherung und Entfernung vom Werk und verleiht Details Aufmerksamkeit. Die minimal farblich variierenden Flächen, die Oberflächenstruktur und die Durchlässigkeit des Trägermaterials verweisen überdies auf die Bedeutung des Lichts. Der von künstlichem wie auch von natürlichem, also sich veränderndem Licht gespeiste Ausstellungsraum des MUWA erzeugt kontinuierlich Veränderung in den Bildern.

 

In der Betrachtung der Arbeiten JAROMÍR NOVOTNÝS ist auffällig, dass die Malerei oftmals nicht bis zum äußersten Bildrand reicht. Vielfach sind auch der Rahmen und die Verstrebungen aus Holz durch das Trägermaterial hindurch sichtbar und liefern Zeugnis vom Entstehungsprozess. Mit diesen Übergängen von der Malerei zum unverarbeiteten Randbereich verfolgt NOVOTNÝ kein künstlerisches Prinzip, sondern er trifft vielmehr intuitiv oder nach bestimmten formalen Kriterien Entscheidungen im Zuge eines länger andauernden Prozesses. Die Komposition wird nicht vorbereitet, sie entsteht während des Malens. Im Hinblick auf sein jüngeres Werk spricht der Künstler von im Übergang, in einer Art Zwischenstadium befindlichen Arbeiten.

 

Basierend auf der Auseinandersetzung mit Form, Farbe, Material und Gestaltungsprozess steht für den Künstler jedoch die sinnliche und emotionale Erfahrung an erster Stelle als ultimative Daseinsberechtigung seiner Arbeiten. „Über die Verwandlung des Materials einen zeitgenössischen Ausdruck für das eigentlich Unsagbare zu finden“ schreibt der Kunsthistoriker STEFAN KRAUS in seinen Überlegungen zu den Werken von JAROMÍR NOVOTNÝ. „Das Bild öffnet sich – jenseits eines repräsentativen Anspruchs – in einer unverstellten Authentizität, es will Frage sein und nicht Behauptung.“

 

Eva Fürstner

 

 

JAROMÍR NOVOTNÝ

"SLOW GESTURES"

 

In his exhibition "SLOW GESTURES" at the Museum of Perception MUWA, JAROMÍR NOVOTNÝ shows works created between 2012 and 2020. In the non-representational painting of the Czech artist, the modest use of materials is of particular importance. His mostly monochrome works of subtle colour nuances, with matt to high gloss surfaces of different degrees of translucency, from almost transparent to opaque, take advantage of synthetic organza, translucent, shimmering fabric used by the artist for several years.

 

The material reduction calls for concentrated observation, visual examination of the surface, a search for depth and density through stepping forth and back, paying attention to details. The fields of minimally varied colour, the surface structure and the permeability of the support material also indicate the importance of light. MUWA's exhibition space, which is fed by artificial as well as natural, thus varying light, continuously causes the paintings to change.

 

When viewing the works of JAROMÍR NOVOTNÝ, zones where the painting stops closely before it reaches the very edge of the picture, are often noticeable. In many cases, the wooden stretcher frame and the cross bar are visible through the painting’s surface and provide evidence of the development process. That form of passages from painting to unprocessed border area is not so much what NOVOTNÝ would pursue as an artistic principle, but rather a result of decisions made intuitively or according to certain formal criteria in the course of a longer process. The composition is not prepared, but is developed while painting. Looking back at his recent work, the artist speaks of works in transition, at certain “in between” stage.

 

Based on the examination of form, colour, material and technique, the sensual and emotional experience comes first for the artist as the ultimate raison d'être of his work. “Finding a contemporary expression for what is actually unspeakable by transforming the material,” writes art historian STEFAN KRAUS in his reflections on the works of JAROMÍR NOVOTNÝ. "The image opens up - beyond a representative claim - in an undisguised authenticity, it wants to be a question and not an assertion."

 

Eva Fürstner

 

 

 

JAROMÍR NOVOTNÝ, 1974 geboren in Český Brod, Tschechoslowakei. Von 1993 bis 1999 studierte er Zeichnen und Konzeptkunst an der Akademie der Bildenden Künste in Prag. JAROMÍR NOVOTNÝ arbeitet mit den Mitteln der Malerei in einem umfassenderen Prozess, in welchem das Material zum Objekt wird. Sein Interesse gilt den sinnlichen Eigenschaften von Transparenz ebenso wie den, durch Maßstab und Komposition beeinflussten Beziehungen zum Körper.

Auswahl internationaler Einzelausstellungen der letzten Jahre: 2012 “Paintings”, Kolumba, Köln (D); 2015 “Backlight”, House of Art, České Budějovice (CZ); 2016 “White Room”, Geukens & De Vil, Antwerp (BE); 2016 “What a Painting Wants”, Georg Kargl Box, Vienna (AT); 2017 “The Body of a Painting”, hunt kastner, Prag.

Zu mehreren Ausstellungen JAROMÍR NOVOTNÝS sind Kataloge erschienen, zuletzt Formes du silence Convent of La Tourette – Le Corbusier – Geneviève Asse, Jaromír Novotný, Friederike von Rauch, Michel Verjux und Backlight, mit Texten von Marie-Paule De Vil & Yasmine Geukens, Václav Janoščík, Václav Krůček, Filip Šenk – veröffentlicht anlässlich der Ausstellung bei Geukens & De Vil, Antwerpen, 2016 und in der Axel Vervoordt Gallery, Hong Kong, 2016-17. JAROMÍR NOVOTNÝ wird durch die Galerien hunt kastner, Prag, Geukens & De Vil, Antwerpen und Axel Vervoordt Gallery, Antwerpen & Hong Kong vertreten.

 

www.jaromirnovotny.com

 

 

Dr.in BRITTA E. BUHLMANN, geboren 1956 in Büdesheim (Hessen), ist Direktorin des Museums Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk). Von 1975 bis 1983 studierte sie Kunstgeschichte, Geschichte, Evangelische Theologie und Archäologie an den Universitäten von Frankfurt/Main, Zürich und Bonn. Nach einem Volontariat 1984/85 am Hessischen Landesmuseum Darmstadt wurde sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Krefelder Kunstmuseen. 1988 bis 1994 war sie bis zu ihrem Wechsel nach Kaiserslautern Direktorin der Städtischen Galerie Würzburg. Als Lehrbeauftragte vermittelte sie moderne und zeitgenössische Kunstgeschichte an den Universitäten von Würzburg, Saarbrücken, Kaiserslautern und Heidelberg. Dort wirkte sie zwischen 2000 und 2003 als Mitglied des Gründungsuniversitätsrats. Seit 2019 füllt sie diese Funktion im Universitätsrat der TU Kaiserslautern aus. Am mpk stellte sie zahlreiche Künstlerinnen und Künstler wie z. B. Carmen Herrera, Adolph Gottlieb, Charles Pollock, Pierette Bloch, Georgia Russel, Nobuyuki Tanaka oder Eva Jospin erstmals in Deutschland mit musealen Einzelausstellungen vor.

 

 

Weitere Texte zu/von JAROMÍR NOVOTNÝ

 

Auf die Frage, was ein Gemälde will, gibt JAROMÍR NOVOTNÝ Einblick in eine mögliche Antwort: „Ein Gemälde ist etwas Künstliches, als wäre es von selbst entstanden, ohne dass ich mich darum bemüht hätte. Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass es sich nicht um „Arbeit von Menschenhand“ handelt, Malen als Ding, ein Objekt, das „hergestellt“ wird. Auf jeden Fall geht es jedoch um Bewegung innerhalb einer eng begrenzten Phase minimaler sichtbarer Transformationen, aus denen sich auch ein wichtiger funktionaler Aspekt ergibt; Gemälde, die darin bestehen, das Medium Malerei sichtbar zu machen. Stehend in vor einem Gemälde spüre ich die Existenz von hier und jetzt mit dem Bewusstsein, dieses „...Jetzt ist das innere Bild der Vergangenheit“."

 

  courtesy hunt kastner, Prague